Gesellschafter sehen Fortschritte bei Kirch-Gesprächen

28. Februar 2002, 17:34
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Rewe-Chef Reischl: Sehr viel Vernunft eingekehrt - Strategie der Deutschen Bank unklar

Bei ihrer Rettungsaktion für die hoch verschuldete KirchGruppe bemühen sich die acht beteiligten Gläubigerbanken um eine gemeinsame Lösung. "Ich glaube, dass sehr viel Vernunft eingekehrt ist, auch im Verhältnis zur Deutschen Bank", sagte der Chef des KirchMedia-Gesellschafters Rewe, Hans Reischl, am Donnerstag in Köln. Nach seinen Informationen stünden die Dinge jetzt besser als in der Woche zuvor. Die Handels- und Touristikgruppe Rewe ist mit 5,9 Prozent an KirchMedia beteiligt, in der das Kerngeschäft der KirchGruppe gebündelt ist.

Kurs eines Einzelgängers?

Hingegen hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, die Deutsche Bank verfolge noch immer den Kurs eines Einzelgängers. Von einer Annäherung an die anderen Banken könne keine Rede sein. Die Deutsche Bank wolle den Finanzdruck auf Kirch vor allem dazu nutzen, Zugriff auf den Formel-1- Veranstalter SLEC zu bekommen. Das Interesse der Deutschen Bank begründe sich dadurch, dass sie Großaktionär bei DaimlerChrysler ist.

Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) sagte am Donnerstag in München, dass ihm an einer Rettung der KirchGruppe gelegen sei. Er hoffe, dass es bei den Bemühungen der Gläubigerbanken um eine Rettung der KirchGruppe und nicht um deren Abwicklung gehe.

Die Strategie der Deutschen Bank in der Kirch-Krise ist seit einigen Wochen unklar. Seitdem Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich in Frage gestellt hatte, wurde in Branchenkreisen vermutet, dass der Bank an einer Zerschlagung der KirchGruppe gelegen ist. Die Äußerungen werden vermutlich auch ein juristisches Nachspiel haben. Die KirchGruppe will Breuer möglicherweise auf 800 Mill. Euro (11 Mrd. S) Schadenersatz verklagen.

Firmengründer Leo Kirch geht die schwerste Krise seines Unternehmens nach Einschätzung von Reischl nahe. Er habe bei einer Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche "ziemlich mitgenommen" ausgesehen, schilderte Reischl.

Moderator für Verhandlungsrunde gesucht

Die Gläubigerbanken werden bis zur nächsten Woche einen Moderator für die Verhandlungsrunde zur Lösung der bestehenden Probleme aus ihren Reihen benennen, erfuhr vwd am Donnerstag aus gut informierten Kreisen. Gesucht werde eine Persönlichkeit, die Autorität und Gewicht habe sowie über hohes Verhandlungsgeschick verfüge, so die Kreise weiter. Sie soll die unterschiedlichen Positionen der Banken auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Die Banken müssten zu einer Lösung kommen, die es Kirch ermögliche, wieder finanziellen Spielraum zu gewinnen, und die es möglich macht, nicht sofort sämtliche Darlehen fällig stellen. (APA/dpa/vwd)

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