Japans Zentralbank lockert Geldpolitik

28. Februar 2002, 16:31
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Finanzmärkte nehmen Pläne mit Erleichterung auf

Tokio - Zum Schutz vor einer drohenden Finanzkrise will die japanische Zentralbank mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Hierzu will die Bank of Japan (BoJ) den Kauf von langfristigen Regierungsanleihen verstärken und den Banken außerdem den Zugang zu Notkrediten erleichtern.

Die BoJ werde den monatlichen Kauf von Staatsanleihen auf eine Bill. Yen (8,58 Mrd. Euro/118 Mrd. S) von aktuell 800 Mrd. Yen erhöhen, teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Die bereitwilligeren Kreditzusagen sollen die Banken schützen, falls sie zum Abschluss des laufenden Geschäftsjahres Ende März in Bedrängnis geraten. Zusätzlich bestimmte die BoJ eine Obergrenze für Guthabenzinsen. Dies soll die Banken davon abhalten, Kunden mit hohen Zinsen zu locken, die sich die Kreditinstitute nicht leisten können.

An den Finanzmärkten wurden die Pläne mit Erleichterung aufgenommen. Analysten kritisierten die BoJ jedoch, weil sie ihrer Ansicht nach politischen Druck nachgegeben habe.

Kampf gegen Deflation

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi begrüßte die Pläne der Bank von Japan. Die Entscheidung, die auch schon zuvor extrem lockere Geldpolitik des Landes noch weiter zu lockern, zeige den gemeinsamen Kampf von Regierung und Zentralbank gegen die Deflation. Die Regierung hatte erst am Mittwoch ein Paket von Anti-Deflationsmaßnahmen angekündigt, zu dem auch die Aufforderung an die Zentralbank zu einer "mutigen Geldpolitik" gehörte. Die Deflation belastet Japans Wirtschaft, weil sie zu nachlassendem Konsum führt und die Gewinne der Unternehmen schmälert.

Auch an den Finanzmärkten wurden die Ankündigungen der Zentralbank überwiegend positiv aufgenommen. Der Yen, der am Vortag in der Nähe nur knapp über seinem 40-Monatstief von 135 Yen gehandelt wurde, stieg im frühen europäischen Handel zum Dollar um ein halbes Prozent auf 133,65 Yen. Auch die Renten- und Aktienmärkte reagierten mit Gewinnen.

Skepsis

Viele Analysten bewerteten die Schritte dagegen skeptischer. "Die Maßnahmen der Bank von Japan haben zwar die Sorgen entschärft, dass die Banken in den nächsten Monaten vor einem größeren Finanzierungsdruck stehen", sagte Volkswirt David Mann von Standard Chartered. Allerdings würden diese Schritte nur kurzfristig greifen und nicht das Vertrauen in Japan wiederherstellen.

Andere Volkswirte warfen der BoJ vor, sie habe sich von der Regierung manipulieren lassen. "Das Problem ist die Beschädigung der Unabhängigkeit der Zentralbank", sagte Takehiro Sato, Volkswirt bei Morgan Stanley. Marshal Gittler, Devisenhändler bei der Bank of America, bezeichnete die Maßnahme als "eine klare Antwort auf den politischen Druck". Analysten hatten sowohl Premierminister Koizumi als auch der BoJ lange vorgeworfen, nicht energisch genug gegen eine sich anbahnende Finanzkrise vorzugehen. Die Zahl der Firmenzusammenbrüche war in den zurückliegenden zwölf Monaten rasant angestiegen und hatte gleichzeitig das Problem der Kreditausfälle bei Banken verschärft. (APA/Reuters)

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