Zu Gold verdammt

28. Februar 2002, 15:41
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Der Schweizer 800m Favorit Andre Bucher hat den Hallen-Titel im Visier

Wien - Nicht nur bei den Frauen gibt es bei den 27. Halleneuropameisterschaften in Wien mit der Kärntnerin Stephanie Graf über 800 m eine haushohe Favoritin. Auch der Schweizer Andre Bucher ist angesichts seiner langen Erfolgsliste des Vorjahres und der eindrucksvollen Siegesserie im Jahr 2002 praktisch zu Gold verdammt.

Die Erfolgsstory

Triumph bei den Freiluft-Weltmeisterschaften in Edmonton, Golden-League-Jackpot-Gewinner, Grand-Prix-Gesamtsieger, Schweizer Sportler des Jahres, Europas Leichtathlet des Jahres, eine Steigerung der Bestzeit von 1:42,92 auf 1:42,55 Minuten beim Heim-Meeting in Zürich - Wären da nicht das Hallen-WM-Finale in Lissabon, wo er nach einer fiebrigen Erkältung wenigstens noch Bronze geholt hatte, und die Niederlage gegen den Russen Juri Borsakowski in Brüssel gewesen, Bucher hätte eine ganz und gar makellose Saison 2001 erlebt. Trotzdem war das abgelaufene Jahr eines, wie er es sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Rückblickend ist er sogar froh, dass ihm zwei Mal die Fersen gezeigt wurden: "Die Niederlagen haben mir gezeigt, dass andere auch nicht schlafen und ich am Boden bleiben muss."

Wien als Zwischenstation

Der 25-jährige Geschichtslehrer sieht Wien zwar nur als Zwischenstation auf seinem Weg zum ganz großen Saisonziel, dem EM-Titel im Sommer in München (6. bis 11.8.), aber natürlich will er am Sonntag bei der Siegerehrung im Dusika-Stadion Gold in Empfang nehmen. Angesichts seiner Dominanz bei seinen bisherigen drei Starts im Jahr 2002 sollte der erste Hallentitel ein Kinderspiel für Bucher werden, hat doch der die Liste seiner Wien-Herausforderer anführende Pole Pawel Czapiewski heuer mit 1:46,52 Minuten eine um 1,44 Sekunden schlechtere Zeit zu Buche stehen als der Jahresweltbeste.

"Hellwach und konzentriert"

"Trotzdem wird es sicher kein Spaziergang für mich. Die Gefahr lauert ja immer und überall", betonte der Luzerner und verwies damit auf das Olympia-Finale 2000 in Sydney, wo ihn ein Sturz nach einem Rempler eines Konkurrenten Gold gekostet hatte und er am Ende als Fünfter sogar ohne Medaille geblieben war. "Ich muss also hier hellwach und voll konzentriert sein, vor allem auf den letzten 200 Metern." Wie im Finale am Sonntag (16.00 Uhr) schließlich gelaufen wird, ist ihm dagegen egal. "Ich habe heuer bewiesen, dass ich taktische Rennen genauso gewinnen kann wie schnelle. Aber natürlich ist mir ein schnelles lieber." (APA)

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