Viktorianische Nackte rücken näher

28. Februar 2002, 15:23
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"Prüderie und Leidenschaft" im Haus der Kunst in München

München - Die englische Presse hatte bereits von "überraschend sexy" geschrieben, nun können sich auch die Münchner Besucher der Ausstellung "Prüderie und Leidenschaft" einen Eindruck vom Akt in der viktorianischen Zeit verschaffen.

Die am Donnerstag eröffnete und von der Londoner Tate Gallery zusammengestellte Schau zeigt bis zum 2. Juni im Münchner Haus der Kunst nun eine andere, neue Sicht auf ein als prüde und verklemmt bekanntes Zeitalter.

Die Ausstellung bietet nun erstmals einen umfassenden Einblick in eines der am stärksten kontrovers diskutierten Themen des 19. Jahrhunderts, sagte Museumschef Christoph Vitali. Es wird deutlich, dass der Akt im Werk anerkannter Künstler wie Millais, Rossetti, Burne-Jones oder Sargent ein zentrales Thema war, dass neben diesen Protaganisten der englischen Malerei aber auch weniger prominente Künstler zur Geschichte der viktorianischen Nacktdarstellung beigetragen haben. Insgesamt rund 200 Werke werden ausgestellt.

Die Ausstellung mit nach Odysseus schmachtenden Sirenen oder von Riesenpythons umwickelten Jungfrauen konzentriert sich auf den Akt in der Malerei, der Zeichnung, der Skulptur und der Druckgrafik. Sie bezieht aber auch andere Medien wie die Fotografie, die populäre Illustration, die Werbung und die Karikatur ein.

Dass der Akt nichts an Aktualität verloren hat, belegt die Rahmenausstellung mit Werken der 1963 in London geborenen Künstlerin Tracey Emin. Ihre vom 9. März an zu sehenden Arbeiten zeigen, wie nun fast 100 Jahre später mit dem nackten Körper umgegangen werden kann, teilte das Ausstellungshaus mit. (APA/dpa)

  • Frederic Leighton: 
The Sluggard (1885)
    foto: tate

    Frederic Leighton: The Sluggard (1885)

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