Gab es eine speziell "österreichische" Ausprägung der NS-Ästhetik?

28. Februar 2002, 14:57
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Veranstaltungsreihe untesucht These vom "Sonderweg"

Wien - Ob es innerhalb der Kunst der NS-Zeit einen "österreichischen Sonderweg" gegeben hat, soll von der von 4. bis 16. 3. laufenden Veranstaltungsreihe "Die 'österreichische' nationalsozialistische Ästhetik" ) näher beleuchtet werden.

Machart und Ästhetik

Wissenschafter verschiedener Disziplinen und Künstler erörtern exemplarisch die Werke österreichischer Künstler, ihre Besonderheiten innerhalb der NS-Ästhetik und die Frage nach ästhetischen Kontinuitäten in der Vor- und Nachkriegszeit.

"Institutionengeschichtlich wurde schon einiges gearbeitet. Unser Ansatz ist, die Kunstwerke selbst, ihre Machart und Ästhetik, genauer zu untersuchen", schilderte Pia Janke von der gemeinsam mit der Universität für angewandte Kunst veranstaltenden "pro arte"-Gesellschaft am Donnerstag bei einer Pressepräsentation in Wien.

"Nicht nur punktuelle Veranstaltung"

Im Laufe der sieben Veranstaltungstage (in der Angewandten am 4., 8. und 15. 3., im Theatermuseum am 5. und 13. 3., im Kunsthallen-project space am Karlsplatz am 6. 3. und im Alten Rathaus am Abschlusstag) bieten die Vorträge eine breit gefächerte Analyse der Thematik, die sich auch in einer Publikation niederschlagen soll. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Die Frage nach der österreichischen Ausformung der NS-Ästhetik soll "nicht nur eine punktuelle Veranstaltung" werden, wünschte sich der Rektor der Angewandten, Gerald Bast, sondern "einen Automatismus in Gang setzen".

Diskussion und Lesungen

Am 6. 3. diskutieren Eva Glawischnig, Christine Muttonen, Erika Weinzierl, Manfred Wagner, Ruth Wodak und Lothar Höbelt "Vergangenheit und Aktualität" der "'österreichischen nationalsozialistischen Ästhetik".

Lesungen von Marlene Streeruwitz ("Männer. Träume. Schäume", 4. 3.), Erwin Steinhauer ("Aus 'Mein Kampf' und anderen Nazi-Schriften", 5. 3.), Andrea Eckert ("Texte österreichische Nazi-Dichter", 13. 3.) und Franzobel ("Die Farbe der Haltung", 15. 3.) runden das Programm ab.

"Theater im 'Reichskanzleistil'"

Eröffnet wird der Vortragsreigen vom Historiker Oliver Rathkolb, der die Hauptfrage der Veranstaltung näher beleuchtet, und der Theaterwissenschafterin Evelyn Deutsch-Schreiner, die sich mit dem "Theater im 'Reichskanzleistil'" und dem Nachhall der NS-Ästhetik auf den Bühnen der "Ostmark" in der zweiten Republik auseinander setzt (4. 3., 18 Uhr).

In den folgenden Tagen beschäftigen sich unter anderem Wendelin Schmidt-Dengler ("Weiheszenen") und Hilde Haider-Pregler ("Zwischen Anpassung, Propaganda und Widerstand", beides 13. 3., 19 Uhr), Gertraud Steiner ("Zur Ästhetik des Wien-Films") und Ruth Beckermann ("Der österreichische Heimatfilm: eine Endlosschleife", beides 15. 3., 17 Uhr) sowie Gerhard Scheit ("Musikstandort Wien im Dritten Reich", 16. 3., ab 18 Uhr) mit den unterschiedlichen Aspekten der österreichischen Kunstproduktion während der NS-Herrschaft.

Unerwartete

"Auch Künstler, die man in diesen Reihen nicht erwartet", so Ilija Dürhammer von "pro arte", werden die Veranstaltungen beleuchten. So wird im Abschlusskonzert mit der Polyhymnia Alte Universität (16. 3., Altes Rathaus) nach "'Österreichischen' Nazi-Komponisten" gefragt, unter anderem erklingt das NS-Auftragswerks-Fragment von Franz Schmidt ("Die deutsche Auferstehung").

Das genaues Programm läßt sich bei "pro arte" unter der Wiener Telefonnummer 470 45 78 oder per e-Mail unter pro.arte@chello.at erfragen. (APA)

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