Kärntner Gendarm wegen Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt

28. Februar 2002, 14:33
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Geschworene befanden den Beamten zurechenbar - Urteil noch nicht rechtskräftig

Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt ein 51-jähriger Gendarm aus Völkermarkt zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Der Beamte war geständig, seine Frau im Zuge eines Scheidungsstreits mit einem Küchenmesser tödlich verletzt zu haben, bestritt aber bis zuletzt eine vorsätzliche Handlung. Zu dem Urteil des Geschworenengerichts erbat sich Günther F. drei Tage Bedenkzeit, Staatsanwalt Friedrich Borotschnik meldete Berufung an.

Mehrmals "Blutbad" angekündigt

Borotschnik erklärte in seinem Plädoyer, der Angeklagte habe die Tat vorsätzlich begangen, weil er zuvor mehrmals "ein Blutbad" angekündigt hatte. Zur Verantwortung des Gendarmen, er habe die Herzstiche aus Notwehr geführt, sagte der Ankläger: "Ich glaube, Notwehr hat es nie gegeben. Folgt man der letzten Version seiner Verantwortung, so wehrte er einen Stich seiner Frau ab und entriss ihr das Messer. Dann, als keine Bedrohung mehr vorlag, stach er 26 Mal auf seine Gattin ein."

Totschlag für Staatsanwalt ausgeschlossen

Der Staatsanwalt hielt fest: "Nur die Ermordete hätte das Recht auf Notwehr gehabt." Weiters sei der Affekt, der zur Tat geführt haben soll, "keineswegs allgemein begreiflich" und somit ein Totschlag ausgeschlossen. Der Staatsanwalt schloss: "Dass ein Gendarm, der jahrelang in der Kriminalabteilung tätig war, nicht weiß, dass Stiche ins Herz tödlich sein können, kaufe ich dem Angeklagten nicht ab."

Verteidiger plädierte für Affekthandlung

Verteidiger Karlheinz Waysocher plädierte dennoch auf Totschlag, da der Gendarm "über drei funktionierende Faustfeuerwaffen verfügte, die er nicht zur Tat mitnahm". Waysocher hob vor allem hervor, dass nicht einmal die Frau mit einem Gewaltverbrechen gerechnet habe, weil sie keine Anzeige wegen der Drohungen ihres Mannes erstattet hatte - womit für den Verteidiger eine Affekthandlung vorlag.

Zum geänderten Tatgeständnis seines Mandanten sagte er: "Den wahren Tatablauf wollte er bei seiner ersten Aussage - als die Absicht zum Selbstmord noch stärker war - mit ins Grab nehmen." Schließlich hielt Waysocher fest, dass niemand außerhalb der Familie den Angeklagten im Zeugenstand als aggressiv beschrieben hatte.

Die Geschworenen erkannten den Gendarmen als zurechnungsfähig und schlossen einen Totschlag aus. Auch Notwehr kam für sie nicht in Frage, wie sie einstimmig erkannten. (APA)

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