FH können künftig Bakkalaureat-Studiengänge anbieten

28. Februar 2002, 13:33
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Standortfrage wird vom Bildungsministerium entschieden

Wien - Die Fachhochschulen (FH) können künftig - analog zu den Universitäten - Bakkalaureat-Studiengänge anbieten. Dies sieht eine Novelle zum Fachhochschul-Studiengesetz (FHStG), die am Donnerstag im Nationalrat beschlossen worden ist. Einig waren sich alle Parteien, dass die FH eine "Erfolgsgeschichte" darstellten, auch über den Großteil der FHStG-Novelle herrschte Einvernehmen. Kritik übte die SPÖ allerdings daran, dass künftig die Entscheidungskompetenz über den Standort neuer FH-Studiengänge nicht beim FH-Rat, sondern beim Bildungsministerium liegen soll. Die Novelle wurden dennoch einstimmig beschlossen.

Ablehnung für die Verschiebung der Entscheidungskompetenz zum Ministerium hatte im Vorfeld der Präsident des FH-Rats, Claus Raidl, signalisiert. Er befürchtet, dass die Errichtung von FH-Studiengängen dadurch zu einem Instrument regionalpolitischer Interessen würde.

FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf verteidigte die Entscheidungskompetenz des Ministeriums: Nur dadurch könne sicher gestellt werden, dass das Parlament z.B. über Fragen an die Ministerin mitwirken und Kontrollrechte ausüben könne. Der FH-Rat werde weiterhin Bedarfs- und Umfeldprüfungen durchführen sowie schließlich eine Empfehlung abgeben. Das Parlament solle dann kontrollieren, inwieweit die Ministerin sich daran halte. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) kündigte an, dass sie "in 99,9 Prozent der Fälle" in Übereinstimmung mit dem FH-Rat handeln werde. Bisher sei die Kompetenz nicht genau geregelt gewesen, in Streitfällen habe sie bereits bisher entschieden.

Das FH-Bakkalaureatstudium soll - einschließlich Berufspraktikum - sechs Semester umfassen und mit dem Titel "Bakkalaureaus/Bakkalaurea (FH)" abschließen. Das anschließende FH-Magisterium kann zwischen zwei und vier Semester dauern. Die weiterhin zulässigen FH-Diplomstudiengänge sollen mit acht bis zehn Semester begrenzt werden. Mit der Novelle wird es zudem Erleichterungen für FH-Absolventen geben, die ein Doktoratsstudium an einer Universität absolvieren wollen, und das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) wird verpflichtend eingeführt. (APA)

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