Wurz erwartet nicht viel von Jaguar

3. März 2002, 07:07
2 Postings

Der McLaren-Testpilot über die neue Saison, die Favoriten und die Hoffnung auf eine Rückkehr ins Starterfeld

Melbourne - Österreich sitzt auch in der Formel-1-Saison 2002 nur auf dem "Beifahrersitz". Alexander Wurz ist im 17 Rennen umfassenden WM-Jahr zwar wieder dabei, aber wie im Vorjahr bloß als Testfahrer von McLaren-Mercedes. Mit den von ihm abseits der Grand Prix gefahrenen Kilometern soll es dem britischen Rennstall nach zweijähriger Pause gelingen, wieder einen Titel zu erringen - möglichst den des Fahrer-Weltmeisters.

Seinen Weltmeister-Tipp gibt Wurz dementsprechend unmissverständlich bekannt: "Coulthard! Dafür sprechen Auto, Motor und Reifen. Aber natürlich wird es ein Kampf mit Michael Schumacher", so der Niederösterreicher. Den Titelverteidigter und vierfachen Champion von Ferrari nennt der Perchtoldsdorfer nicht zufällig als ersten Herausforderer seines Teamkollegen: "Die Erfolge sprechen für ihn. Sein Vorteil ist auch, dass er sich von Benetton eine starke Truppe mitgenommen hat, diesen Vorsprung genützt und ausgebaut hat."

Wurz erwartet Dreikampf

Ganz oben auf seiner Liste hat Wurz auch die BMW-Williams von Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya. "Die Saison wird interessant und abwechslungsreich. Ich erwarte an der Spitze doch einen Dreikampf Ferrari-McLaren-Williams. Aber wir haben eine gute Basis." Von Michael Schumachers Ankündigung, Williams heuer eher als McLaren als Gegner zu erwarten, hält Wurz nicht viel: "Das hat er schon vor einiger Zeit gesagt. Mittlerweile ist bei den Tests in Valencia David (Coulthard) und in Barcelona bin ich die schnellste Runde gefahren."

Bei BMW-Williams ist mit Motorsport-Direktor Gerhard Berger ja ein Österreicher in führender Position. Der Tiroler hielt sich zuletzt aber mit Prognosen zurück, Wurz unterstellt seinem Landsmann sogar Tiefstapelei: "Sie sind sicher WM-Aspiranten. Der Williams hat ja ein gutes Triebwerk, einen guten Chassis-Hersteller und mit Michelin auch gute Reifen."

"Niki muss erst Team interne Probleme lösen"

Anders schätzt der seit 15. Februar 28-jährige McLaren-Pilot freilich das unter der Führung von Niki Lauda stehende Jaguar-Team ein. Lauda selbst bestätigt Wurz zwar Engagement, seiner Meinung nach wird sich das aber noch nicht besonders auf den Punktestand des Teams auswirken. "Für sie wird das ein weiteres Charakter bildendes Jahr. Ihre Testergebnisse waren bescheiden und Jaguar wird vermutlich heuer auch nicht so viel Erfolg haben. Niki muss wohl erst Team interne Probleme lösen."

Mit seiner eigenen Test-Perfomance ist Wurz zufrieden, rund 60 Renndistanzen legte er in den vergangen Wochen zurück. "Das war knapp die Hälfte der Kilometer unseres Teams. Von der Standfestigkeit haben wir also kein Problem, wir sind gut gerüstet." Wurz lehnt es aber ab, seinen Anteil an einem eventuellen McLaren-Sieg in Prozent beziffern. "Da spielen zu viele Faktoren mit."

Die Hoffnung auf ein Cockpit

Mittelfristig will sich Wurz allerdings sowieso nicht mehr mit solchen Rechnereien befassen müssen. Schon für nächstes Jahr rechnet er sich gute Chancen aus, wieder Grand Prix zu fahren. "Es bieten sich sicher einige Möglichkeiten. Die meisten Fahrerverträge sind auf zwei Jahre abgeschlossen und heuer laufen mehr als die Hälfte aus. Ich werde jedenfalls schon zu Saison-Mitte meine Fühler ausstrecken."

Dass er dem Finnen Kimi Räikkönen als Nummer zwei bei McLaren vorgezogen wurde, hat er nach der ersten Enttäuschung bereits verdaut: "Das sieht man ja daran, dass ich jetzt wieder mit vollem Einsatz fahre. Ich bin ja oft schneller als meine Kollegen gewesen." Bis sich eine Chance auftut, bleibt Wurz aber in dem ihm schon hinlänglich bekannten Rhythmus. (APA)

Share if you care.