Doping-Test via Froschhaut?

28. Februar 2002, 13:03
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Melanophoren in der Haut ermöglichen Farbänderungen und Thermoregulierung - DNA-Einschleusung bewirkt neuen Effekt

Stockholm/Wien - Ein buntes Farbenspiel auf der Haut eines Frosches könnte möglicherweise schon bald Dopingsünder überführen. Wissenschafter der schwedischen Linköping University haben nämlich herausgefunden, dass sich modifizierte Stücke von Froschhaut in Gegenwart von Drogen verfärben. Der Effekt ist auch mit dem unbewaffneten Auge zu erkennen, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Melanophoren

Einige Frösche, wie etwa auch der unter Aquarianern bekannte Afrikanische Krallenfrosch "Xenopus laevis", haben so genannte Melanophoren in ihrer Haut eingelagert. Diese Zellen verleihen dem Amphibium die Fähigkeit zu Farbänderungen, so kann es sich zum Zwecke der Tarnung blitzschnell einem Untergrund anpassen. Die Melanophoren werden aber auch zur Thermoregulierung eingesetzt, möchte sich der Frosch in der Sonne rascher aufwärmen, so wird seine Haut dunkler und absorbiert mehr Strahlung.

Gesteuert wird das Ganze über Hormone. Normalerweise sind die Farbzellen gleichmäßig dunkel, die Pigmente gleichmäßig verteilt. Binden im Blut ausgeschüttete Hormone an der Zellwand, wandern die Pigmente dagegen Richtung Zentrum der Zelle und diese bekommt dadurch ein farbiges Aussehen. Lösen sich die Hormone wieder von der Membran, kehrt die Farbzelle in den dunklen Grundzustand zurück.

Unter Strom

Annika Karlsson von der Linköping University hat Stücke von Froschhaut einem elektrischen Feld ausgesetzt. Dadurch entstanden kleine Löcher in den Zell-Membranen, durch diese die Forscherin Fäden von menschlicher Erbsubstanz (DNA) in die Zellen einschleuste. Die DNA-Stücke zwangen gleichsam dann den Farbzellen - die normalerweise keine Andockstellen für Opiate besitzen - menschliche Rezeptoren für verschiedene Drogen auf.

Zu Testzwecken setzten die schwedischen Wissenschafter die modifizierten Froschzellen dem Wirkstoff Naxolon aus. Der Stoff bindet an die gleichen Rezeptoren wie Opiate und wird daher auch in Rehabilitationsprogrammen eingesetzt. Bereits bei Konzentrationen von wenigen Mikrogramm Naxolon pro Liter wurden die Froschzellen deutlich heller, der Effekt war ohne Hilfsmittel mit dem freien Auge sichtbar.

Drogentest

Die Sache würde sich daher als Drogentest anbieten, mit dem Vorteil, dass man anfangs gar nicht wissen müsste, um welche Stoff es es sich genau handelt. Selbst wenn etwa ein Sportler eine neue Art von Dopingmittel auf Opium-Basis genommen hat, spricht die Froschhaut an. Im Anschluss kann dann die aufwendige chemische Analyse-Maschinerie in Betrieb gehen.(APA)

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