Fix: Linux zieht in den Deutschen Bundestag ein

28. Februar 2002, 16:51
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Kommission für Informations- und Kommunikationstechnik des Ältestenrates (IuK) hat sich entschieden

Im Deutschen Bundestag soll erstmals Open-Source-Software zum Einsatz kommen. Die IuK-Kommission des Parlaments empfahl die Umstellung von rund 90 Prozent der Server auf das freie Betriebssystem Linux, wie Uwe Küster (SPD), Vorsitzender der Kommission des Ältestenrates für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken (IuK) am Donnerstag in Berlin mitteilte. An den rund 5.000 Arbeitsplatzrechnern wird das Office Paket von Microsoft XP eingesetzt.

9,5 Millionen Euro

Die Kosten für die Umstellung belaufen sich den Angaben zufolge auf 9,5 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre. Mit der Entscheidung für die Einführung von Linux soll die Abhängigkeit von einem Anbieter aufgehoben werden, wie Küster betonte. Zuvor hatte die Kölner Unternehmensberatung Infora im Auftrag des Bundestages eine Kosten-Nutzen-Studie erstellt. In der Studie war die Variante, nach der nur einige Server auf Linux, der große Rest aber auf Windows umgestellt wird, am kostengünstigsten. Küster verteidigte aber die jetzt gewählte Variante, die rund 80.000 Euro teurer ist und hob die "strategischen Vorteile" hervor. Er erhoffe sich damit eine höhere Freiheit bei zukünftigen Anwendungen, sagte der SPD-Politiker. Der Bundestag sei nicht mehr auf die Lizenzpolitik eines Unternehmens angewiesen.

Knapp

Die in der IuK-Kommission gefällte Entscheidung war denkbar knapp ausgefallen. SPD und Grüne stimmten der jetzt vorgestellten Variante zu, die FDP stimmte dagegen und die PDS enthielt sich. Innerhalb der Union war das Abstimmungsverhalten gemischt; einige Abgeordnete enthielten sich, andere stimmten mit Nein.

Viren

Bisher ist auf den Rechnern der Abgeordneten und ihrer Mitarbeiter das Microsoft-System Windows NT 4.0 installiert. Weil Microsoft zum Jahresende den Support für dieses 1996 eingeführte System einstellen will, war eine Entscheidung zwischen Windows XP und Linux notwendig geworden. Hinsichtlich der Stabilität sind die beiden neuen Betriebssysteme auf dem gleichem Niveau. In der Vergangenheit waren aber Microsoft und das E-Mail-Programm Outlook wiederholt Virenangriffen ausgesetzt gewesen.

Im November vergangenen Jahres hatte der Bundestag beschlossen, die Open-Source-Software in der Bundestagsverwaltung zu fördern, vor allem wenn damit Kosten gespart werden können. (APA/AP)

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