Audi bleibt auf Erfolgsstraße

28. Februar 2002, 17:15
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VW-Tochter schafft sechstes Rekordjahr in Folge - EU-Auto- vertriebspläne "dümmste Idee"

Ingolstadt - Die noble VW-Konzerntochter Audi bleibt trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen "auf der Erfolgsstraße", 2001 schriebt das Unternehmen zum sechsten Mal in Folge historische Höchstwerte bei Absatz, Umsatz und Rendite. Mit Genugtuung verkündete der auf Druck des Noch-VW-Kaisers Ferdinand Piëch scheidende Audi-Chef Franz-Josef Paefgen (künftig Bentley-Boss) am Donnerstag diese Botschaft anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz in Ingolstadt. Die Aktie bewegt sich seit 2000 nachhaltig bergauf.

Größter Exportmarkt der Audi AG blieben 2001 die USA mit 83.283 Neuzulassungen (davor 80.372). In China betonierte Audi seine ohnehin starke Position, die Auslieferungen explodierten von 17.451 auf 29.370 Fahrzeuge. China sei damit nach Deutschland zweitgrößter Absatzmarkt für das Modell A6 und habe sich gleichzeitig bei den Auslieferungen auf Rang sechs vorgearbeitet, so Paefgen.

Ehrgeizige Zukunftsperspektive

Ehrgeizig auch die Zukunftsperspektive: "Die Stückzahlen von Mercedes werden wir nie erreichen. Aber die von BMW dienen uns schon als Messlatte", umreißt Audi-Vertriebschef Georg Flandorfer im Gespräch mit dem Standard die Zielsetzung. Der bayrische Premium-Hersteller kratzt bereits an der magischen Ein-Million-Grenze, Audi produzierte im Vorjahr 726.753 Autos (im Vor-Rekordjahr 2000 waren es 650.559 - plus 11,1 Prozent). Offenbar orientiert sich Ingolstadt auch modellpolitisch ein wenig an BMW. Wegen des lockenden US-Geschäfts, wo Audi schon zuletzt Rekorde verbuchte, arbeite man mit Hochdruck an Fahrzeugen für Übersee - modische Geländewagen namens SUV (Sports Utility Vehicles). BMW hat in den USA dank des in South Carolina gefertigten X5 sogar Mercedes verblasen, nun komme von Audi "mit Sicherheit mehr als ein SUV", so Flandorfer. Außerdem arbeite man an neuartigen, sportlichen Großraumkonzepten, so genannten "Cross-Overs", die sich als kommendes Boom-Segment abzeichnen würden.

"Offensive Produktpolitik"

Die Investitionspläne für diese "offensive Produktpolitik" (Paefgen) sind bereits verabschiedet, bis 2006 steckt Audi 11,5 Mrd. € in Entwicklung und Produktion neuer Modelle und Motoren. Grob gesagt, würden rund neun Zehntel davon in Deutschland investiert, der Rest ins Motorenwerk Raab/Györ in Ungarn.

Wegen der Ausrichtung auf geländegängige Nischenfahrzeuge behält Audi offensichtlich den Magna-Standort Graz als potenzielle Entwicklungs- und Produktionsadresse ständig wohlwollend im Auge - auch, wenn es derzeit keine konkreten Pläne für einen Auftrag nach Graz gebe. "Die machen einen tollen Job dort", schmeichelt Flandorfer.

"Dümmste Idee"

Für den jüngst präsentierten Entwurf des obersten EU-Konsumentenschützers Mario Monti über eine Neuordnung der GVO (Gruppenfreistellungsverordnung, umreißt die Regeln des Neuwagenverkaufs, Anm.) findet der österreichische Topmanager deftige Worte: "Das ist die dümmste Idee, die je aus Brüssel kam." Es bringe nämlich, entgegen der Ankündigung Montis, weder dem Kunden, noch dem Hersteller, noch dem Händler was.

Die Marke des VW-Konzerns, die sich selbst mit "sportlich, innovativ" charakterisiert, belegte im Vorjahr in Österreich mit 16.399 Neuzulassungen Rang sechs in der Zulassungsstatistik, im Jänner 2002 konnte sich Audi dank der starken A4-Nachfrage gar auf Rang drei katapultieren, so Hermann Becker, Sprecher von Importeur Porsche Austria. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2002)

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