Bank Burgenland und ihre Prüfer

1. März 2002, 18:46
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Gassner: "Unschuldig wie ich"

Wiener Neustadt - Ernst Gassner, verurteilter Exchef der Bank Burgenland, will nichts beitragen zur Klärung der Frage, ob auch seine Vorstandskollegen, Günter Widder und Manfred Schneider, untreu gehandelt und so einen Schaden von 95 Millionen Euro verursacht haben. Gassner entschlug sich der Aussage. Das darf er, seine Verurteilung fußt nicht auf einem Geständnis. Gegenüber dem ORF äußert er, missverständlich: "Die beiden sind so unschuldig wie ich."

Kernfrage

Die Kernfrage des in Wiener Neustadt abgewickelten Verfahrens ist die nach der ressortüberschreitenden Gesamtverantwortlichkeit des Bankvorstands. Ob also die auf den von Ernst Gassner eingebrachten Kreditanträgen geleistete Unterschrift relevante rechtliche Konsequenzen hat oder, wie Widders Verteidiger Rene Laurer anmerkte, bloß "eine notwendige Zwischenstation" auf dem Weg zur - hier auch hinterfragten - Aufsichtsratsgenehmigung war.

Diese Frage kann freilich nicht beantwortet werden, ohne nach der gesamten Kontrollarchitektur zu fragen. Widder und Schneider weisen darauf hin, dass die in der Bank Burgenland gelagerten Explosivstoffe von zahlreichen und hochkompetenten Instanzen laufend geprüft und für ungefährlich befunden worden seien; Warnungen der Innenrevision wurden von den Bankprüfern - auch gegen sie laufen Erhebungen - quasi overruled.

"Mich hat er nicht überzeugt"

Das hat den Chefrevisor, Wolfgang Gruber, "mit großer Verwunderung" erfüllt. Immerhin hätten die Prüfer vor Ort seinen Warnungen stets aufmerksames Gehör geschenkt, ebenso stets sei aber davon nach der Schlussbesprechung nichts mehr zu hören gewesen. Mag sein, wenden die Anwälte ein, das sei auf die Überzeugungskraft Gassners zurückzuführen gewesen. Wolfgang Gruber: "Mich hat er nicht überzeugt."

Eine gute Nachricht hat ihn am Freitag dennoch erreicht. Aus der Konkursmasse von Hom-Ruschs Howe AG wird demnächst eine Vorauszahlung an die Gläubiger von 30 Prozent ausgeschüttet. Der KSV rechnet mit einer Gesamtquote von 33 Prozent. (wei, DER STANDARD, Printausgabe 2.3.2002)

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