Nach Greenspan-Rede keine Zinsschritte mehr

28. Februar 2002, 12:36
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Erste Bank: Konjunktureinschätzung deutet auf Stillhalten

Wien - Heimische Volkswirtschaftsexperten erwarten nach der gestrigen Einschätzung von US-Notenbankchef Alan Greenspan, wonach sich in den USA das Ende der Wirtschaftsflaute abzeichne, in den nächsten Monaten keine Schritte an der US-Zinsfront: "Die Einschätzung der Konjunktur deutet auf ein Stillhalten der Fed hin", kommentiert Erste Bank-Experte Rainer Singer am Donnerstag. "Die Rede bestärkt uns in der Meinung, dass die Fed den Leitzins noch längere Zeit auf dem aktuellen Niveau von 1,75 Prozent (40-Jahres-Tief) belassen wird, um den Risiken für die Wirtschaft vorzubeugen", meint der Volkswirtschaftsexperte der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Valentin Hofstätter. Die tiefe und in den kommenden Monaten weiter sinkende Inflationsrate lasse der Fed dazu genug Spielraum. Die erste Zinserhöhung erwarte die RZB nach wie vor erst im dritten Quartal.

Greenspan erklärte am Mittwoch vor dem US-Kongress, die Anzeichen für ein Ende der Rezession hätten sich verstärkt. Zugleich wies er aber darauf hin, dass die Aufwärtsentwicklung in diesem Jahr schwächer ausfallen könnte als sonst nach Rezessionen.

RZB: Erholung bestätigt

"Unserer Einschätzung nach bestätigte die Rede die sich abzeichnende Erholung der US-Wirtschaft, die aber auf Grund der während der Boomphase aufgebauten Ungleichgewichte nur langsam von statten gehen wird", so Singer. In Summe habe die Rede Greenspan's kaum Abweichung von seinem bisherigen Standpunkt beinhaltet: die Konjunkturerholung komme, aber nur moderat, fasst RZB-Volkswirt Hofstätter zusammen.

Das Bild einer fortschreitenden Wirtschaftserholung werde vom starken Anstieg der Auftragseingänge für langlebige Güter (im Jänner um plus 2,6 Prozent) unterstrichen, ergänzt Hofstätter. Der Rückgang des Konsumentenvertrauens sei dagegen (noch) nicht unmittelbar beunruhigend, sondern entspreche durchaus dem Muster der letzten Erholung. Der nächster wichtiger Indikator sei der ISM (NAPM) am Freitag, er sollte deutlich über die 50-er Marke steigen.

Vorsichtige Rede

"In Summe war die Rede vielleicht sogar eher etwas vorsichtiger als vom Markt erwartet, zumindest konnten Anleihen in weiterer Folge leichte Kursgewinne über alle Laufzeiten verzeichnen", bemerkt Hofstätter. Das sei auch deshalb geschehen, weil sich Greenspan sehr optimistisch zum weiteren Inflationsausblick geäußert habe: Die Fed-Prognose für 2002 für die Inflationsrate der Konsumausgaben liege nur bei 1,5 Prozent, was der Fed viel Spielraum gebe, mit Zinsanhebungen abzuwarten, bis ein nachhaltiges Wachstum erreicht sei.

Die kommende Konjunkturerholung dürfte laut RZB gerade im Anfangsstadium nach oben überraschen, weshalb mit einem baldigen Renditeanstieg zu rechnen sei. Die RZB rät daher, lange Laufzeiten auf dem aktuellen Renditeniveau von 4,82 Prozent (10 Jahresbereich) zu verkaufen. (APA)

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