Ermittlungen nach Suizid in Polizeihaft

28. Februar 2002, 20:42
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Des Mordes Angeklagter hatte mit Selbstmord gedroht

Linz - Eine interne Kommission der Linzer Polizei muss die näheren Umstände des Selbstmordes eines Polizei-Häftlings klären. Ein 29-jähriger Frühpensionist, der des Mordes an seiner 40-jährigen Lebensgefährtin verdächtigt wurde, erhängte sich Mittwochabend in seiner Zelle mit einem Vorhang.

Nach Meinung des Linzer Polizeisprechers Rudolf Keplinger sei der Suizid des Mannes kaum zu verhindern gewesen. "Er wurde insgesamt zweimal von einem Amtsarzt untersucht, der keine Suizidgefahr erkennen konnte", erklärt er. Daher sei der Verdächtige nicht in einer speziellen Sicherungszelle untergebracht worden, da dort der psychische Druck für Insassen noch größer sei.

Der Mann hatte sich allerdings bei seiner Verhaftung am Dienstagabend eine Pistole an den Kopf gehalten und sehr wohl mit Suizid gedroht. Da aber die Pistole nicht geladen war, gingen die Beamten offenbar nicht von ernsten Absichten aus. Bei den Vernehmungen und in der Haft habe sich der Mann wiederum optimistisch gezeigt, dass seine Unschuld bewiesen werde.

"Wir werden nun untersuchen müssen, ob es bisher nicht bedachte Möglichkeiten gibt, derartige Fälle zu verhindern", kündigte Keplinger am Donnerstag an. Ob der Verdächtige tatsächlich seine Freundin erschossen hat oder die Frau Selbstmord beging, war unklar. (moe/DER STANDARD, Printausgabe 01.03.2002)

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