Netzbetreiber Colt setzt sich den Colt an

28. Februar 2002, 19:51
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Mögliches Ende des Solution Centers

Wien - Der Konjunktureinbruch in der Telekombranche forderte ein weiteres Opfer. Ins Trudeln gekommen ist nun Colt Telecom Austria, die Österreichtochter des britischen Breitbandnetzbetreibers, die seit 1999 rund 52 Millionen Euro in 113 Kilometer Glasfaserkabel für Sprach-, Daten- und Internetservices sowie in ein Datencenter investiert hat. Angesichts der Marktschwäche wurde die kostspielige Expansion gestoppt und Colt Austria muss 15 bis 20 Mitarbeiter von insgesamt 115 abbauen, kündigt Österreich-Chef Alfred Pufitsch an.

Auf dem Prüfstand

Über dem vor einem Jahr mit Errichtungskosten von rund 15 Millionen Euro eröffneten Internet Solution Center (ISC) in Wien Floridsdorf schwebt überhaupt ein Damoklesschwert. Es steht, wie sechs weitere Colt-Datencenter, auf dem Prüfstand. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es offen bleibt, ist nicht sehr hoch", sagt Pufitsch.

Das Geschäft mit Hosting und Housing - dabei lassen Firmen ihre Datendienste von fremden Rechnern durchführen bzw. lagern ihre Rechner bei einem Spezialisten - will Colt am Firmensitz in der Innenstadt und über Fernwartung von Frankfurt aus abwickeln.

Colt selbst, die Großkunden wie die Kontrollbank und die Wiener Börse im Netz hat, will sich auf die "Verdichtung" des bestehenden Geschäfts konzentrieren. Heißt konkret: Mit neuen Produkten und Services neue Kunden gewinnen - vor allem in bereits ans Colt-Netz angeschlossenen Gebäuden.

Internationales Sparen

Diese Maßnahmen sind Teil eines Sparprogramms, das sich der in London ansässige Konzern, an dem Fidelity 54 Prozent hält, verordnet hat: 500 Jobs werden gestrichen und ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet, das im ersten Quartal zwölf Mio. Pfund kostet. Im Jahr 2001 hat sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 40,40 Mio. Euro verdreifacht. Der Umsatz (exkl. Infrastrukturverkäufe) stieg um 41 Prozent auf 1,479 Mrd. Euro. In Österreich stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 34,5 Mio. Euro. Europaweit wurden von Colt in 13 Ländern und 32 Großstädten 4485 Kilometer Breitbandkabel vergraben. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2002)

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