Colt Telecom muss sparen

28. Februar 2002, 18:23
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Rund ein Zehntel der Colt Austria Mitarbeiter wird abgebaut - Wiener Internet Solution Center zugesperrt

Die britische Colt Telecom Group, nach eigenen Angaben einer der größten europäischen Telekom-Anbieter im Geschäftskundenbereich, hat sich 2002 ein kräftiges Sparprogramm verordnet. Konzernweit will Colt heuer 500 Mitarbeiter abbauen, auch 15 bis 20 der insgesamt 115 Mitarbeiter in Österreich sind betroffen. Die Kapitalausgaben werden deutlich verringert.

Endgültige Entscheidung fällt erst

Im E-Business-Bereich werden die Aktivitäten konzentriert. Von den europaweit 18 "Internet Solution Centers" (ISC) sollen sieben, darunter auch das erst vor etwa einem Jahr um etwa 200 Mill. S errichtete ISC in Wien, geschlossen werden. Eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen, zumindest das Wiener ISC ist in der Bilanz aber bereits abgeschrieben, sagte Alfred Pufitsch, seit drei Wochen Chef der Colt Austria, vor Journalisten.

"Schwierige Marktbedingungen"

Die "schwierigen Marktbedingungen" im vergangenen Jahr hat auch die Colt Telecom Austria zu spüren bekommen. Einige Mitbewerber, die auch Kunden von Colt waren, seien vom Markt verschwunden. Die Preise seien in vielen Bereichen eingebrochen. Dennoch habe Colt Austria im vergangenen Jahr die vermittelten Minuten um 62 Prozent erhöht, so Pufitsch.

Der Österreich-Umsatz stieg 2001 um 13 Prozent auf 34,6 Mill. Euro (476 Mill. S), der angestrebte Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) wurde allerdings nicht erreicht.

Optimistisch für das Gesamtjahr 2002

Im ersten Quartal dieses Jahres erwartet der neue Colt Austria-Chef eine "etwas flachere Umsatzkurve und Belastungen durch die Restrukturierungsmaßnahmen". Für das Gesamtjahr 2002 ist Pufitsch aber "optimistisch": Der Umsatz soll ähnlich wie 2001 ansteigen. EBITDA-Gewinne werden ab dem vierten Quartal 2002 angestrebt. "Das haben wir uns fest auf die Fahne geschrieben", sagt Pufitsch.

13.000 Kilometer Backbone

Nachdem Colt Austria im Vorjahr 16 Mill. Euro investiert und sein österreichisches Glasfasernetz von 75 auf 113 Kilometer erweitert hat, will das Unternehmen heuer vor allem mit mehr verkauften Bandbreiten, mehr vermittelten Minuten und einer Effizienzsteigerung in der Struktur punkten. Europaweit hat Colt bereits ein Basisnetz (Backbone) von fast 13.000 Kilometer Länge und zusätzlich insgesamt 4.500 km lange lokale Netze in 32 Städten gebaut. "Ob es richtig oder falsch war, ein eigenes paneuropäisches Netz zu errichten, kann man noch nicht sagen", meint Pufitsch.

"Paradigmenwechsel"

Ein klarer "Paradigmenwechsel" weg von der Errichtergesellschaft zu einem Produktentwickler soll längerfristig Gewinne bringen. Großes Potenzial sieht Colt vor allem in der neuen Breitbandtechnologie DSL (Digital Subscriber Line). In Österreich hat sich Colt dafür bereits in 20 Wiener Wählämtern eingemietet und dort die Teilnehmeranschlüsse entbündelt. Ab April sollen noch drei Wählämter in Linz dazukommen. Damit werde man in ganz Wien bis Mödling und in Linz Breitbandinternet für Unternehmen anbieten können. Weitere Ausbauten sind vorerst nicht geplant, so Pufitsch.

"Cashmäßig abgesichert"

Nach einer Kapitalerhöhung um etwa 500 Mill. Pfund (821 Mill. Euro) hatte die gesamte Colt-Gruppe zu Jahresbeginn etwa 1,3 Mrd. Pfund Barmittel und andere liquide Vermögenswerte in der Kassa. Cashmäßig sei die Gruppe damit bis 2004/05 abgesichert. "Man kann sich aber ausrechnen, wie schnell 1,3 Mrd. Pfund weg sind, wenn man nichts verkauft", so Pufitsch.

Im vergangenen Jahr hat die Colt-Gruppe ihren Umsatz - ohne Infrastrukturverkäufe - um 41 Prozent auf 901,9 Mill. Pfund gesteigert. Das EBITDA verdreifachte sich von 8,1 Mill. Pfund auf 24,6 Mill. Pfund.

Die Börsenkapitalisierung des Unternehmens beträgt derzeit 630 Mill. Pfund, Dieser Wert läge deutlich unter den Investitionen, die die Gruppe in den vergangenen Jahren getätigt habe. Wenn es gelänge mit Gewinnen wieder das Vertrauen der Investoren herzustellen, würden die Kurse aber wieder steigen, meint Pufitsch. (APA)

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