Milosevic-Prozess: "Todesliste" präsentiert

28. Februar 2002, 10:44
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Massenvertreibungen von Albanern zentrales Thema vor UNO-Tribunal

Den Haag/Wien (APA) - Der Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Donnerstag mit weiteren Zeugenaussagen von Halid Barani fortgesetzt worden. Barani, Vorsitzender des Komitees zum Schutz der Menschenrechte in Kosovska Mitrovica und Mitglied der LDK von Albaner-Führer Ibrahim Rugova, hatte bereits am Mittwoch über massenhafte Vertreibungen der Albaner rund um die Gegend von Kosovska Mitrovica berichtet.

Zudem präsentierte er eine Liste mit albanischen Todeskandidaten. Eine serbische Organisation habe die 66 dort aufgeführten Kosovo-Albaner töten lassen wollen, sagte Barani. Die "Freunde des Gerichts" ("amici curiae") haben angekündigt, ein Gutachten über dieses Dokument wegen "ungewöhnlicher Schreib- und Grammatikfehler" zu verlangen.

Unterdessen hat der bekannte Belgrader Experte für Völkerrecht, Vojin Dimitrijevic, erklärt, dass Jugoslawien Milosevic im Prozess unterstützen sollte. "Wie auch jedem Bürger, der vom Tribunal angeklagt ist, sollte der Staat auch Slobodan Milosevic helfen", sagte Dimitrijevic gegenüber der Belgrader Tageszeitung "Blic" (Donnerstag-Ausgabe). Der Staat dürfe allerdings keine Informationen zur Verfügung stellen, die ein Staats- oder Militärgeheimnis darstellen würden, fügte er hinzu.

Dimitrijevic äußerte auch den Verdacht, dass "höchstwahrscheinlich die treuen Reste aus der Staatssicherheit und ähnliche Behörden der Armee Jugoslawiens" Milosevic Detailinformationen zur Verfügung stellen würden. Der Ex-Präsident, der das Haager Tribunal nicht anerkennt und sich selbst verteidigt, hatte bisher bei den Kreuzverhören mit Detailwissen verblüfft. Auch schließe er die Möglichkeit nicht aus, dass ausländische Geheimdienste ihre Finger im Spiel hätten. Es sei "unglaublich, dass Milosevic nichts über Srebrenica weiß, aber dass ihm viele Details aus dem Leben normaler Menschen bekannt sind, die als Zeugen vor dem Gericht auftreten", sagte Dimitrijevic.

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