Ölgeborene Spießchen

28. Februar 2002, 14:17
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"Kushi" ist nicht etwa Sushi von der Kuh, wie man aufgrund des Namens vielleicht glauben möchte, sondern eine neue Ess-Mode aus Japan, die stark ans Fondue gemahnt

In Hamburg, München und Düsseldorf gäbe es schon spezielle "Kushi-Bars", erzählt Bénédicte Schneck von Kikkoman Deutschland, und laut gewagten Schätzungen soll "Kushi" in zwei Jahren bereits populärer sein als Sushi. "Kushi" bedeutet so viel wie "aufgespießt", erfährt man von Masanao Shimada, seit kurzem Europa-Chef des weltgrößten Sojasaucen-Erzeugers (400 Millionen Liter jährlich). Es handelt sich also um Spießchen, und derer ließ sich die japanische Küche im Laufe der Jahrhunderte drei verschiedene einfallen: die gegrillten Yakitori-Spießchen, dann die in Tempura-Teig getauchten und im Ölbad selbst herausgebackenen Exemplare und schließlich die mit Ei und Bröseln panierten, ebenfalls im Ölbad frittierten.

In Japan machte "Kushi" während der vergangenen Jahre vor allem bei "All you can eat"-Buffets große Karriere. Im Restaurant "Unkai" im ANA Grand Hotel probiert man's jedenfalls einmal aus, zwölf Spieße - mit Fleisch, mit Meeresfrüchten, mit Gemüse, Pilzen und Ginko-Nüssen - werden ab 1. April als Business-Lunch angeboten (EURO 28), Zeit genug, um sich bis dahin noch mit den Feinheiten dieses Snacks vertraut zu machen. Denn erstens erkenne man schon an den Spießchen die Qualität des Hauses, so Shimada: Geschnitzte Bambusstäbchen etwa seien viel teurer als normale Holzstäbchen, wenn sie noch grün sind, sei das sowieso am besten. Und überhaupt entscheidend für das Gelingen von "Kushi" sei die Temperatur des Öls in der flachen Schüssel, die man mit einem Tropfen Tempura-Teig überprüfen könne: Bleibt er am Grund liegen, ist das Öl zu kalt, steige er zu schnell auf, ist es zu heiß. Ganz einfach.

Was man traditionellerweise gegen den penetranten Frittier-Geruch an Kleidung, Haut und Haar unternehmen kann, bleibt indes ein Geheimnis der Kushi-Meister.

floh

derStandard/rondo/1/03/02

Unkai, ANA Grand Hotel, Kärntner Ring 9, 1010 Wien, Tel.: 01 / 515 80-0
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