Zeigen, nicht schreiben

6. März 2002, 16:27
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Der "Chronoscope" von Chronoswiss ist eine Reminiszenz an das uhrmacherische 19. Jahrhundert.

"Chronoscope" ist die Bezeichnung, die Chronoswiss seinen Chronographen gibt. Allerdings handelt es sich bei den derart titulierten Instrumenten schon lange nicht mehr um "Zeitschreiber" im wahrsten Sinne des Wortes. So etwas hatte der Pariser Uhrmacher Rieussec 1821 zum Patent angemeldet. Das heute eher kurios anmutende Ding notierte Zeitintervalle in der Tat mit Tinte auf einem rotierenden Zifferblatt. Ab 1844 setzten sich auf Knopfdruck Zeiger in Bewegung. Und nach Betätigung eines Drückers sprangen sie auch wieder in ihre Ausgangsposition zurück.

Damit war ein Instrument Realität geworden, das inzwischen landläufig als Chronograph bezeichnet wird, richtiger aber Chronoskop heißen müsste: Zeitintervalle werden damit nämlich lediglich angezeigt und niemals aufgeschrieben. Das hat auch Gerd-Rüdiger Lang, Inhaber der Münchner Uhrenfabrikation Chronoswiss, beherzigt und sich die Bezeichnung "Chronoscope" schützen lassen. Demnächst wird der zugehörige Zeitmesser bei den Konzessionären liegen. Dabei handelt es sich natürlich um einen Stopper oder - nach inzwischen allgemein geläufiger Terminologie - einen Chronographen. Die drei Funktionen Start, Stopp, Nullstellung der zentralen Chrono-Sekunde werden über einen in die Aufzugskrone integrierten Drücker und ein klassisches Schaltrad gesteuert. Letzteres dreht sich um die Welle des permanent mitlaufenden Sekundenzeigers bei der "6". An den Chronoswiss-Bestseller "Regulateur" erinnert die dezentrale Anordnung des Stundenzeigers bei der "12".

Am bewährten, sorgfältig feinbearbeiteten Automatikwerk C.122, das mit dem "Chronoscope"-Zusatz 125 heißt, hat Chronoswiss aus verständlichen Gründen keine Änderungen vorgenommen. Seine Glucydur-Unruh mit autokompensierender Flachspirale vollzieht stündlich 21.600 Halbschwingungen. Aus dieser Frequenz von drei Hertz resultiert eine Sechstelsekunden-Stoppgenauigkeit. Weil Uhrmachermeister Lang auf Detailtreue größten Wert legt, fand diese Tatsache bei der Gestaltung des lackierten Metallzifferblatts selbstverständlich angemessene Berücksichtigung: Die Skala für den zentral positionierten Stopp-Sekundenzeiger besteht aus exakt 360 Strichen. Jeweils fünf davon befinden sich zwischen zwei Sekundenmarkierungen.

Auf erprobte Qualitäten greift Chronoswiss beim Gehäuse des "Chronoscope" zurück. Es besitzt einen Durchmesser von 38 mm, besteht aus 25 Teilen und widersetzt sich dem nassen Element bis zu 3 atm (30 Meter). Ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas gestattet ein problemloses Ablesen des silberfarbenen Zifferblatts, vor dem sich bombierte, von Hand zugeschliffene und gebläute Stahlzeiger drehen. Die Schwingungen der Unruh und des vergoldeten Rotors lassen sich durch den Saphirglasboden beobachten.

Das Geheimnis des komplexen, exklusiv bei Chronoswiss erhältlichen Chrono-Schaltwerks bleibt dagegen unter dem Zifferblatt verborgen. Die Uhrmacher montieren es direkt auf der Vorderseite der Platine des Automatikwerks. Im Gegensatz zu den mittlerweile weit verbreiteten Modul-Konstruktionen wird die Werkplatte vorher jedoch speziell bearbeitet. Zum Beispiel bringen die damit befassten Handwerker spezielle Einfräsungen für den aufwändigen Stopper-Mechanismus an.

Die chronographischen Pioniere haben das vor 150 Jahren schon so praktiziert. Und sie wussten genau, warum. Deshalb sieht Chronoswiss heute keinen Grund, von diesem mehr als nur ein zeitgemäßes Jota abzurücken. Und das besteht beim "Chronoscope" im automatischen Aufzug, in den geringeren Dimensionen sowie der problemlosen Befestigungsmöglichkeit am Handgelenk.

derStandard/rondo/1/3/02

Von Gisbert L. Brunner
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