Morbus Alzheimer: Neurologische "Seuche" des 21. Jahrhunderts

28. Februar 2002, 09:29
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Behandlungsstrategien stehen noch immer in den Anfängen

Saalfelden - Eine neurologische Erkrankung als eine der größten Herausforderungen an Gesellschaft und Medizin der Gegenwart: Morbus Alzheimer. "Mit der Zunahme des Alters der Bevölkerung wird auch die Zahl der Patienten zunehmen. Wir haben in Österreich derzeit zwischen 100.000 und 120.000 Alzheimerkranke. Diese Zahl wird sich bis zum Jahr 2025 wahrscheinlich verdoppeln", warnte am Mittwoch bei der 35. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (24. Februar bis 1. März) in Saalfelden der Wiener Experte Univ.-Prof. Dr. Kurt Jellinger.

Problem - Gehirnabbau

Jellinger gilt in Fachkreisen als Doyen der österreichischen Demenz-Forscher. Der Experte zur Bedeutung des Problems dieses fortschreitenden Abbaus der Gehirnleistung samt dem für das Leiden sprichwörtlichen Gedächtnisverlust: "Die Kosten der Alzheimerkrankheit betragen allein in Österreich pro Jahr rund 20 Milliarden Schilling. 60 bis 70 Prozent aller Demenz-Erkrankungen sind Alzheimer-Leiden. Die Alzheimer-Krankheit ist die weltweit wichtigste neurologische Erkrankung des 21. Jahrhunderts."

Behandlungsstrategien stehen noch immer in den Anfängen

Während die Mittel zur Diagnose der Erkrankung in den vergangenen Jahren genauer und präziser geworden sind und auch die Ursachen für den Morbus Alzheimer immer detaillierter aufgeklärt werden, stecken die Behandlungsstrategien trotz einiger Fortschritte noch immer in den Anfangsstadien. So genannte Acetylcholinesterase-Hemmer, welche jenes Enzym im Spalt zwischen Nervenzellen im Gehirn hemmen, das den anregenden Neurotransmitter Acetylcholin abbaut, können die Symptome mildern bzw. das Fortschreiten der Erkrankung bremsen.

Jellinger: "Diese Acetylcholinesterase-Hemmer sind die Therapie der Wahl. Sie zögern den Krankheitsverlauf um zwölf bis 18 Monate hinaus. Die Medikamente haben einen moderaten Effekt, können aber die Zeit bis zur notwendigen Einweisung des Betroffenen in ein Pflegeheim hinausschieben."

"Impfung" gegen Morbus Alzheimer

Doch von einer ursächlichen Therapie ist die Medizin damit noch weit entfernt. Zwar hat in den vergangenen Jahren eine "Impfung" gegen Morbus Alzheimer, mit der man bei Versuchstieren eine Beseitigung der krankhaft im Gehirn "deponierten" Beläge von nicht abbaubarem Beta-Amyloid-Protein eines irisch-amerikanischen Biotech-Unternehmens für Furore gesorgt, doch erst Ende Jänner musste eine klinische Studie an Patienten vorläufig gestoppt werden.

Der Wiener Neurologe: "Weltweit haben die Impfung schon mehr als 300 Patienten erhalten. Wegen des Auftretens einer allgemeinen Enzephalitis (Gehirnentzündung, Anm.) musste die Studie aber abgebrochen werden." Entzündliche Prozesse im Gehirn von Alzheimer-Patienten als "Nebenwirkung" einer allfälligen Therapie sind - so sich diese beunruhigenden Befunde bewahrheiten sollten - sicher nicht tolerierbar. (APA)

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