Indien verschärft Sicherheit nach Zug-Anschlag

28. Februar 2002, 08:08
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Widerstand gegen Tempelbau auf Trümmern einer Moschee

Neu-Delhi - In ganz Indien sind nach dem Brandanschlag auf einen Zug mit Hindu-Gläubigen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Bei dem mutmaßlich von Moslems verübten Anschlag waren im westindischen Bundesstaat Gujarat am Vortag 57 Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt, darunter 40 Frauen und Kinder.

Anschlag auf Sabarmati-Express

Die Polizei teilte mit, in der Hauptstadt Neu-Delhi sowie in mehreren anderen Großstädten seien die Sicherheitskräfte wegen befürchteter Vergeltungsakte der Hindus in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Eine Spezialeinheit der Armee wurde in die Hauptstadt von Gujarat, Ahmedabad, verlegt. Dort war es bereits Stunden nach dem Anschlag auf die Menschen im Sabarmati-Express bei Godhra zu schweren Krawallen gekommen.

Tempelbau auf Trümmer einer Moschee

Der Anschlag stand offenbar im Zusammenhang mit den stark umstrittenen Plänen des Weltrates der Hindus (VHP), auf den Trümmern einer vor zehn Jahren zerstörten Moschee einen Tempel zu errichten. Die Hindus befanden sich auf dem Heimweg von einer Massenkundgebung des VHP in Ayodhya, wo der Tempel entstehen soll. Der Sabarmati-Express sei hinter dem Bahnhof der Stadt Godhra im Bundesstaat Gujarat gestoppt worden, und dann hätten mehrere Männer einen der Waggons in Brand gesteckt, sagte die Chefin der zuständigen Bezirksverwaltung.

Streit

Die Eisenbahnverwaltung teilte mit, einer der Passagiere habe nach dem Verlassen des Bahnhofs von Godhra die Notbremse gezogen, und bei den Brandstiftern habe es sich um Bewohner der Stadt gehandelt. Die Polizei Doghras berichtete, während des Aufenthaltes im Bahnhof hätten sich die Hindus im Zug und Moslems auf dem Bahnsteig lautstark gestritten.

Moschee aus dem 16. Jahrhundert von Hindu-Extremisten zerstört

Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Moschee in Ayodhya war 1992 von Hindu-Extremisten zerstört worden. Dies hatte landesweite Unruhen ausgelöst, bei denen mehr als 3000 Menschen ums Leben kamen. Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee nannte den Anschlag "sehr traurig, unglückselig" und appellierte an den Hindu-Rat, die Kampagne für den Tempelbau einzustellen.

Ein Gericht im Bundesstaat Uttar Pradesh befasst sich seit längerem mit dem Fall. Es hat bis zur Entscheidung jede Bautätigkeit untersagt. Der Hindu-Rat beschloss aber im vergangenen Jahr Mitte März mit oder ohne Genehmigung mit dem Bau zu beginnen. Die Kundgebung am Wochenende diente der Bekräftigung des Vorhabens, das der VHP auch nach dem Vorfall in Godhra nicht aufgeben will, wie sein Vizepräsident Acharaya Giriraj Kishore mitteilte. (APA/Reuters)

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