Botschaft in Havanna geräumt

2. März 2002, 14:13
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21 Kubaner wollten Ausreise nach Mexiko erzwingen - KP-Organ spricht von "Kriminellen und Lumpenproletariern"

Havanna - Eine Spezialeinheit der kubanischen Polizei hat am Freitag die Besetzung der mexikanischen Botschaft in Havanna beendet. 21 Personen, die sich in die diplomatische Vertretung geflüchtet hatten, um ihre Ausreise zu erzwingen, wurden in Gewahrsam genommen. Wie die kubanische Regierung mitteilte, verlief die Aktion "ohne Zwischenfälle". Die mexikanische Regierung habe um die Räumung gebeten. Die Polizisten seien unbewaffnet gewesen.

Die 21 Kubaner hatten am Mittwochabend mit einem gestohlenen Bus das Tor zum Botschaftsgelände durchbrochen. Die Regierung in Havanna machte Provokateure aus den Kreisen der Exilkubaner in den USA für die Tat verantwortlich. Diese hätten Äußerungen des mexikanischen Außenministers Jorge Castaneda falsch wiedergegeben und den Einrdruck erweckt, Mexiko öffne Ausreisewilligen die Türen. Nach offiziellen Angaben wurden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mehr als 150 Kubaner im Umkreis der mexikanischen Botschaft festgenommen.

Antisoziale Elemente und Lumpenproletarier

Am Donnerstag erörterte Mexikos Präsident Vicente Fox mit dem kubanischen Staatschef Fidel Castro telefonisch die Lage. Die kubanische Zeitung "Granma", Zentralorgan der Kommunistischen Partei, bezeichnete die Besetzer als "Kriminelle, antisoziale Elemente und Lumpenproletarier". 13 der 21 Besetzer seien in der Vergangenheit bereits als Straftäter in Erscheinung getreten.

In den Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur auf Kuba haben unzufriedene Bürger immer wieder Botschaften gestürmt, um auf diese Weise ins Ausland zu gelangen. 1980 leitete die Besetzung der peruanischen Botschaft eine Massenausreise von mehr als 100.000 Kubanern ein. Im Juni 1994 wurden die belgische und die deutsche Botschaft besetzt. Im Fall der deutschen Botschaft waren die Besetzer ebenfalls im einem Kraftfahrzeug auf das Gelände vorgedrungen. Anders als die Regierung Fox ließ die Bonner Regierung seinerzeit aber die Besetzer monatelang im Garten der Botschaft campieren, bis jene die Vertretung freiwillig räumten. Im Laufe des Sommers 1994 kam es auch zu einem Exodus von mehr als 30.000 Menschen, die mit Flößen und Booten versuchten, in die USA zu gelangen.

Kubaner können nur mit Genehmigung ihrer Regierung ihr Land verlassen. Ausreisewillige stehen darüber hinaus aber vor dem Problem, dass die Nachbarländer, darunter auch Mexiko und die USA, nur eine begrenzte Zahl von Einreisevisa vergeben. Die USA gewähren allerdings Bootsflüchtlingen, die die nordamerikanische Küste erreichen ein Bleiberecht. (APA/dpa)

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