Elisabeth Schwarzkopf geehrt

1. März 2002, 09:10
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Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien für renommierte Sopranistin im klassisch-romantischen Fach

Wien - Die in Schlesien geborene 86-jährige Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf ist am Mittwoch mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold ausgezeichnet worden. Volkmar Parschalk, ehemaliger Ö1-Kulturchef, würdigte die Sängerin in seiner Laudatio als "Ausnahme-Künstlerin" und "größte Stimme" neben Maria Callas. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny dankte Schwarzkopf als "Wahlwienerin" und "Weltenbürgerin", deren besonderer Verdienst es war, "die Wiener Oper in die Welt hinauszutragen und dem kunstinteressierten Publikum nahe zu bringen".

Wien als Sprungbrett

Die Kammersängerin, am 9. Dezember 1915 in Jarotschin bei Posen geboren, begann ihre Laufbahn als Opernsängerin 1938 in Berlin, wo sie als Blumenmädchen im "Parsifal" debütierte. Wien, wohin Karl Böhm die Sängerin 1942 holte, wurde jedoch zum Sprungbrett ihrer internationalen Karriere.

1947 machte sie ihre erste England-Tournee und debütierte, auf Einladung durch Herbert von Karajan, bei den Salzburger Festspielen als Susanna in Mozarts "Le Nozze di Figaro". Auf Tournee mit der Wiener Staatsoper trat sie an führenden Opernhäusern Europas auf. Kurz nach dem Krieg heiratete sie Walter Legge, Direktor und Produktionschef der internationalen Schallplattenfirma "His Master's Voice", der auch ihre ersten Aufnahmen machte.

Elisabeth Schwarzkopf zählt zu den führenden Sopranistinnen im klassisch-romantischen Fach, im Zentrum ihres Repertoires waren vor allem Mozart- und Strauss-Opern. 1979 zog sie sich von der Bühne zurück. Seither gibt sie Unterricht, hält Meisterklassen ab und ist als Jurorin international aktiv.

Vielfach geehrt, politisch umstritten Schwarzkopf wurde unter anderem mit dem Ehrendoktorat der Universität Cambridge und der Mozartmedaille der Unesco (1991) ausgezeichnet und durch Königin Elisabeth II. zur "Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire" ernannt. In Wien erhielt sie den Berufstitel "Kammersängerin" (1961) und wurde Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper(1983).

Umstritten war die Künstlerin allerdings wegen ihrer politischen Vergangenheit, nachdem ein britischer Autor in den 90er Jahren ihre Mitgliedschaft in der NSDAP enthüllt hatte. Die "New York Times" nannte sie daraufhin die "Nazi-Diva".

Schwarzkopf rechtfertigte sich, sie habe die Mitgliedschaft beantragen müssen, um als Sängerin arbeiten zu können. Die Kritik habe sie nicht getroffen, "weil ich nicht schuldig bin", so Schwarzkopf damals. "Ich habe mein Leben lang gesungen, gesungen, gesungen - sonst nichts." (APA)

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