Die österreichischen Vertreter beim EU-Konvent

27. Februar 2002, 19:17
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Kämpfer der Grünen

Johannes Voggenhuber ist einer der Pioniere der Grünen Bewegung in Österreich. Der 52-jährige Mitbegründer der Salzburger Bürgerliste war von 1982 bis 1987 erstes Grünes Regierungsmitglied in Europa als Stadtrat in Salzburg. Von 1988 bis 1991 war Voggenhuber Bundesgeschäftsführer der Grünen. 1990 zog er in den Nationalrat ein und war bis 1992 Klubobmann. Seit 1995 ist Voggenhuber, der einst glühender EU-Gegner war, Abgeordneter im Europa-Parlament. Er war eine der wichtigsten Autoren der Grundrechtscharta und wurde als erstes Konventsmitglied nominiert.

Politischer Profi für SPÖ

Caspar Einem vertritt die SPÖ im EU-Konvent als Vollmitglied. Der 54-jährige gebürtige Salzburger mit ausgeprägtem politischen Profil war u. a. Bewährunshelfer, Kriminalsoziologe, Mitarbeiter der Arbeiterkammer Wien und Abteilungsleiter für Unternehmensstrategie bei der OMV. 1994 wurde Einem Beamten-Staatssekretär, ein Jahr später von der Kronen Zeitung heftig bekämpfter Innenminister. 1997 führte er bis zum Gang der SPÖ in die Opposition das Verkehrs- und Wissenschaftsministerium. Einem hat wie Voggenhuber bereits an der EU-Grundrechtscharta mitgearbeitet.

PR-Fachfrau vertritt Freie

Anne-Marie Sigmund vertritt den Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA) im EU-Konvent. Der WSA ist ein Beratungsorgan für Kommission und Rat. In ihm sind Arbeitgeber, Gewerkschaften, kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige, Bauern und Konsumentenschutzverbände vertreten. Die 61-jährige Juristin Sigmund gehört dem Beratungsgremium seit 1995 an. Sie war u. a. Schadensreferentin in der Wiener Allianz, ehe sie in die Werbebranche wechselte. Seit 1981 ist Anne-Marie Sigmund Generalsekretärin des Bundeskomitees Freie Berufe Österreichs.

Vertrauter des Kanzlers

Johannes Farnleiter ist der Vertreter von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, nicht der Bundesregierung beim EU-Konvent, was international für Verwunderung sorgt. Farnleitner war von 1996 bis 2000 Wirtschaftsminister. Bei der von der EU verlangten Stromliberalisierung musste er sich einem Kompromiss beugen. Der 62-jährige gebürtige Niederösterreicher studierte in Wien Jus und stand ab 1964 im Dienst der Handelskammerorganisation. Im Jahr 1992 wurde er stellvertretender Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreichs.

Bibliothekar vertritt FPÖ

Reinhard Eugen Bösch wurde von der FPÖ für den EU-Konvent nominiert. Der 45-jährige Nationalratsabgeordnete hat Geschichte und Germanistik an der Universität Wien studiert, er arbeitet als Bibliothekar in Dornbirn. Seit 1999 ist der Vorarlberger Ersatzmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Karriere machte er in der FPÖ Vorarlbergs, wo er seit 1994 Landesparteiobmannstellvertreter ist. Bösch ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für innere Angelegenheiten, im Außenpolitischen Ausschuss und im Landesverteidigungsausschuss. (DER STANDARD, Print, 28.2.2002)

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