Bremsdefekt führte zu Wampersdorfer Bahnunglück

28. Februar 2002, 21:33
2 Postings

Ausgetauschte 26 Waggons waren ungebremst - Problem blieb an Grenze unentdeckt

Wien - Mangelnde Bremswirkung war die Ursache für das Zugunglück von Wampersdorf (Bezirk Baden) von Dienstag, das sechs Menschenleben forderte. Das teilten die Österreichischen Bundesbahnen Donnerstag Abend unter Berufung auf den "gesicherten Erkenntnisstand der ÖBB Expertengruppe" mit. Laut einem Bericht der "Zeit im Bild 1" waren 26 Waggons des aus Sopron kommenden Zuges durch den Defekt ungebremst.

Waggonwechsel

Der Waggon mit der kaputten Hydraulikbremse befand sich laut "ZiB" ursprünglich am Ende der Garnitur. In Sopron wurde jedoch die ungarische gegen eine österreichische Lokomotive ausgetauscht, die am anderen Ende der Garnitur angehängt wurde. Dadurch befanden sich plötzlich 26 andere Waggons hinter dem defekten Fahrzeug, die ebenfalls ungebremst waren. Bei der Einfahrt in den Bahnhof von Wampersdorf, wo der Zug halten sollte, kam es dann zum Zusammenstoß mit der anderen Garnitur.

Falsche Bremsprobe

Weder bestätigt noch dementiert wurde seitens der ÖBB ein Bericht der Tageszeitung "Kurier" (Freitagausgabe), wonach ein Verschubarbeiter der ÖBB vorübergehend suspendiert worden sein soll. "Das ist ein laufendes Verfahren, ich kann dazu nichts sagen", hieß es bei der ÖBB-Kommunikation auf Anfrage. Dem "Kurier" zufolge soll der Arbeiter eine Bremsprobe nicht wie vorgeschrieben am letzten Waggon des ungarischen Zuges durchgeführt haben, sondern in der Mitte.

Die Tageszeitung berichtete weiters, dass ÖBB-Mitarbeiter bis 1994 in Sopron an den nach Österreich führenden Zügen durchgeführt haben. Seit dem Abschluss eines "Vertrauensabkommens" sei diese Sicherheitsmaßnahme eingestellt worden.

Bremsen waren defekt

Die Erhebungen gestalten sich aufwändiger als üblich, da der Zug aus Ungarn gekommen sei und übergeben wurde, hieß es bei den ÖBB. Es habe sich hierbei - wie im europäischen Eisenbahnwesen üblich - um einen Vertrauenszug gehandelt, der gemäß internationalen Standards in einem einwandfreien technischen Zustand sein muss. Ein erstes gesichertes Ergebnis zeige jedoch, dass dies nicht der Fall war. "Fest steht, dass die Bremsen eines Waggons des ungarischen Zuges defekt waren", so die Bundesbahnen in einer Aussendung.

Auch bei Vertrauenszügen werde bei der Übernahme eine Bremsprobe durchgeführt, hieß es weiter. "Diese erfolgte in Ebenfurth, wo der defekte Waggon allerdings nicht erkannt wurde. Hierauf konzentriert sich zur Zeit ein Teil der Ermittlungen", teilten die ÖBB mit.

Genaue Analyse

Der Waggon befinde sich gegenwärtig in einer Spezialwerkstätte, wo er mittels Simulationstechnik genauestens analysiert werde, hieß es. "Diese Untersuchung wird ergeben, ob man den Bremsdefekt bereits in Ebenfurth erkennen hätte können. Die auf Hochtouren laufenden Analysen werden noch einige Tage in Anspruch nehmen."

Die sechs Todesopfer des schweren Bahnunglücks wurden unterdessen identifiziert. Vier der Männer stammten aus Ungarn, zwei waren jugoslawische Staatsbürger. (APA)

Share if you care.