Politischer Zank um ein todkrankes Baby

28. Februar 2002, 15:06
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Steirische Landesregierung will Operationskosten nicht zahlen

Graz - Wo liegen die Grenzen einer Budgetsanierung? Um diese Grundsatzfrage dreht sich seit einigen Tagen ein heftiger Zank in der steirischen Landesregierung. Auslöser des Zwistes ist ein knapp einjähriger Bub aus Albanien, bei dem in Graz ein bösartiger Tumor im Oberbauch diagnostiziert worden ist.

Eigentlich hätte Blendi R. nur wegen eines großen "Blutschwammerls" an der Lippe operiert werden sollen. Seine Eltern - Studenten aus Albanien - hatten ihre Ersparnisse zusammengelegt, um ihren Sohn in Graz behandeln zu lassen. Während der Operationsvorbereitungen wurde der Tumor entdeckt. Der kleine Blendi müsse nochmals operiert werden, "sonst stirbt er", ließ der behandelnde Arzt im Grazer LKH, Christian Urban, SP-Spitalslandesrat Günter Dörflinger ausrichten.

Nun stellte sich die Frage: Wer zahlt die Operation, zumal die Eltern in keinem Fall für die hohen Kosten aufkommen können? Dörflinger formulierte umgehend einen Regierungsantrag, in dem festgehalten wird, dass die Landesregierung die Behandlungskosten - rund 36.336 Euro (500.000 Schilling) übernimmt. Diese Gelder sollen dem im Jahr 1991 für solche Fälle eingerichteten Humanitätsfonds entnommen werden. Allein: Der Fondstopf ist leer. Er wurde 1994 das letzte Mal mit umgerechnet 218.000 Euro dotiert. Dörflinger regte an, den Fonds wieder wie zuvor aus Mitteln des Finanzressorts zu bedecken und gleich auch die Hilfe für den Säugling zu übernehmen.

Die VP stimmt zwar grundsätzlich zu, Finanzlandesrat Herbert Paierl verlangte aber, Dörflinger solle aus seinem Spitalsbudget, konkret mit Geldern der Krankenanstalten GesmbH Kages die Summe begleichen. Zusätzliche Mittel seien aufgrund des Sparkurses nicht möglich, sagte Paierl. Die Kages mit ihrem 1,1-Milliarden-Euro-Budget werde doch das Geld auftreiben können. Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ergänzte, zur Not werde sie den dortigen Managern erklären, wo man sparen könne. Die Kages-Führung konterte, man habe ohnehin für das steirische Sparbudget große Beträge für die Budgetsanierung abgeliefert, mehr sei nicht mehr drinnen.

Der Mediziner Christian Urban will unbeirrt vom Politstreit dem Baby "in jedem Falle helfen". Urban zum STANDARD: "Wir schicken das Kind sicher nicht zum Sterben nach Hause." Notfalls werde er sich bemühen, private Sponsoren aufzutreiben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2002)

Von Walter Müller


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