"Kompetenzzentrum" statt Häf'n

27. Februar 2002, 19:15
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Neuer Haftanstaltsleiter von Stein präsentierte Strafvollzugspläne

Stein - Hofrat Friedrich Nowak konfrontierte Justizminister Dieter Böhmdorfer am Mittwoch mit einem Zitat von Mao Zedong: "Aus früheren Fehlern wollen wir lernen, um künftige zu vermeiden." Die Justizanstalt Stein mit ihren gut 650 Insassen stehe nun vor einem "Neuanfang", erklärte der neue Anstaltsleiter Nowak bei seiner Amtseinführung.

Um das nach einer Reihe von Selbstmorden im Vorjahr schwer angeschlagene Image von Österreichs berüchtigtstem Häfn aufzupolieren, will der 60-Jährige Stein zu einem "Kompetenzzentrum" ausbauen. Dazu plant der Jurist, zuvor Leiter der Justizanstalt Wien-Josefstadt, den Vollzug in elf Departements aufzuteilen, in denen adäquat auf Insassen und deren Bedürfnisse eingegangen werden könne.

So sollen etwa Freigänger oder Entlassungshäftlinge in jeweils eigenen Departements zusammengefasst werden, in denen sie auf das Leben draußen vorbereitet werden. In einem Departement für Sexualdelinquenten soll die psychische Behandlung und psychologische Betreuung im Vordergrund stehen. In einem weiteren Departement soll intensive Berufsausbildung stattfinden, auch der Drogenentzug soll in einem eigenen Departement vonstatten gehen, hier soll stärker mit dem Wiener AKH zusammengearbeitet werden. Um soziale Kompetenzen der Insassen auszubauen, denkt Nowak auch an einen "Wohngruppenvollzug". Zudem will er das Behandlungsangebot für psychisch auffällige Häftlinge um eine kunsttherapeutische Werkstätte erweitern. Wann "Stein neu" umgesetzt sein wird, konnte er nicht sagen.

Minister Böhmdorfer sagte Nowak jedenfalls Unterstützung zu und bedankte sich auch bei Hofrat Johann Hadrbolec, der nach elf Jahren als Anstaltsleiter von Stein Ende vergangenen Jahres pensioniert worden war. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2002)

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