Kaum Trauer um Peseta, Pfund und Franc

27. Februar 2002, 17:27
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Überwiegende Mehrheit hat sich an die neuen Scheine und Münzen gewöhnt

Wien/Hamburg - Die Tatsache, dass ab dem 1. März nur noch mit Euro bezahlt werden kann, löst nach neueren Umfragen in der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (69 Prozent) keine Wehmut aus. Nicht nur die Österreich haben sich schneller als erwartet an den Euro gewöhnt. Auch in den übrigen Euro-Ländern ist die neue Währung von den Bürgern problemlos angenommen worden. Wenn am 28. Februar die nationalen Währungen endgültig verschwinden, hat sich die überwiegende Mehrheit der Menschen bereits an die neuen Scheine und Münzen gewöhnt, ergab eine dpa-Umfrage bei den europäischen Nachbarn.

In Belgien spricht das Finanzministerium mit Blick auf die Bevölkerung stolz von einem "gemeinsamen Erfolg". Schon zehn Tage nach der Einführung des Bargelds sei ganz überwiegend mit Euro bezahlt worden. Nach einem Monat sei der belgische Franc so gut wie verschwunden gewesen. Jetzt geht Belgien daran, die insgesamt 12.000 Tonnen Münzen einzuschmelzen. In Irland, wo das irische Pfund schon seit dem 9. Februar kein legales Zahlungsmittel mehr ist, wurden bereits 83 Prozent des alten Geldes eingesammelt. Hier sollen die Geldstücke nach Spanien verschifft und zu neuen Münzen verarbeitet werden.

Kuriositäten

Es gibt auch Kuriositäten: In Spanien, wo die meisten Menschen die neue Währung mit Begeisterung angenommen haben, setzten zwei Orte der Peseta ein Denkmal und benannten jeweils eine Straße nach der ehemaligen Landeswährung. Ein 66-jähriger spanischer Rentner trägt sogar den ungewöhnlichen Vornamen "Euro": Das Wort bedeutet auf katalanisch Wirbelwind.

In Italien haben die Menschen ohne Tränen Abschied von ihrer Lira genommen. Über 90 Prozent der Italiener bezahlen mittlerweile mit der neuen Währung. Jedoch ist das viele Euro-Kleingeld für die an runde Summen gewöhnten Italiener nicht immer einfach zu handhaben, was zu einer kuriosen Reaktion geführt hat: Waren die Menschen von Mailand bis Messina jahrelang keine Freunde von Kreditkarten, haben die bargeldlosen Einkäufe seit der Euro-Einführung um fast 30 Prozent zugenommen.

Die Deutschen trauern!

Der Drachme wird in Griechenland nicht nachgetrauert. Die griechische Presse berichtete zuletzt, es sei bereits das Phänomen der "Verfremdung" eingetreten: Wenn ein Grieche heute eine der wenigen noch im Umlauf befindlichen Drachmescheine sieht, reagiert er, als handele es sich dabei um eine Währung aus einem anderen Land. In Österreich ist die Zustimmung der Bürger nach anfänglicher Skepsis zuletzt sprunghaft gestiegen. Nach neuesten Umfragen trauerten Mitte Februar knapp 70 Prozent der Österreicher dem Schilling nicht mehr nach. In Frankreich gaben sich hingegen immer noch 39 Prozent der Bevölkerung nostalgisch und bedauerten, den Franc verloren zu haben. Der Übergang zum Euro sei aber problemlos gewesen, meinten 92 Prozent.

Auch in Portugal verlief die Umstellung glatt; seit Wochen wird fast nur noch in der neuen Währung gehandelt. Eine 79-jährige Rentnerin aus Nordportugal konnte sich aber partout nicht mit dem Euro anfreunden und investierte ihre gesamten Escudo-Ersparnisse in zwei riesige Gefriertruhen, die sie mit Lebensmitteln füllte. "Das reicht bis zum Ende meines Lebens", sagte sie. "Da brauche ich mich auf den Quatsch mit dem Euro gar nicht erst einzulassen."

Etwas anders scheint dies noch im benachbarten Deutschland: Hier trauert fast jeder Zweite der D-Mark nach. Besonders schwer fällt deutschen Frauen der Abschied. 47,7 Prozent der Bundesbürger wünschen sich die alte Währung zurück. (APA/dpa)

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