Wenig Mitleid für Mühlegg

28. Februar 2002, 10:40
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Spanische Kollegen äußern Kritik, Sponsoren und Verbände stellten Zahlungen ein und der spanische Wintersport-Verband taumelt ins Chaos

Madrid - Der Dopingskandal um Johann Mühlegg versetzt den spanischen Sport in Aufruhr. Die Regierung hat am Mittwoch eine drastische Verschärfung des Anti-Doping-Kampfes angekündigt. Die Olympia-Sportler haben sich von ihrem gedopten Teamkameraden distanziert. Der Wintersportverband des Landes ist wegen der Dopingaffäre ins Chaos gestürzt.

Mühlegg muss nach dem Doping-Skandal mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. Der norwegische Sponsor Swix entzog ihm die Unterstützung. Der Ski-Verband in der südostspanischen Stadt Murcia, bei dem Mühlegg als Mitglied gemeldet ist, hat seine Zahlungen in der Höhe von 9.000 Euro (123.843 S) für dieses Jahr gestrichen. Auch die nationalen Verbände dürften nach Ansicht von Experten demnächst einen Stopp der Förderungen beschließen.

Wenig Mitleid

Spaniens Skiläufer gingen mit Mühlegg hart ins Gericht. "Wer sich gedopt hat, weiß genau, was er getan hat", meinte die Slalomläuferin Maria Jose Rienda. "Ich habe nicht besonders viel Mitleid." Die Riesenslalom-Läuferin Ana Galindo ergänzte: "Mühlegg hat gemogelt, da ist es logisch, dass er bestraft wird. Er hat den Ruf des spanischen Ski-Sports beschmutzt. Seine Medaillen sind nun kaum noch etwas wert."

Langlauf-Trainer Carlo Petrini erwartet eine Sperre von zwei Jahren. "Das ist das Ende seiner Karriere", meinte der Italiener, dem Mühlegg einst "mafiose Machenschaften" zur Last gelegt hatte. "Mühlegg hätte, wenn er sauber gewesen wäre, ohne weiters eine Goldmedaille gewinnen können. Aber es mussten unbedingt drei sein. Mühlegg war darauf aus, Geld zu machen und in die Geschichte einzugehen."

Chaos im Wintersportverband

Im spanischen Wintersportverband (FEDI), der sich ohnehin in einer schweren Krise befand, kündigte der Technische Direktor Carlos Salvadores seinen Rücktritt an. Im Verband herrsche nun "eine Situation des absoluten Chaos", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur EFE. Außerdem ist der FEDI ist schon seit Juli 2001 ohne Präsidenten.

Der Chefarzt des spanischen Olympiateams, Benjamin Fernandez, betonte, er habe mit dem Dopingfall nichts zu tun. "Es ist möglich, dass Mühlegg sich das Dopingmittel Darbepoetin über das Internet besorgt hat." Mühlegg hat sich mittlerweile im Allgäu verschanzt. Sein Bruder Martin brach erstmals sein Schweigen und stellte eine Verschwörungstheorie in den Raum: "Es handelt sich um ein Komplott gegen meinen Bruder. Irgendjemand wollte ihn absägen." (APA/dpa/SIZ)

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