Museumsquartier-Zugang bleibt trotz Neubau erhalten

27. Februar 2002, 16:32
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Geschäftsleute freuen sich auf Belebung

Wien - "Das wird kein Hochhaus." Winfried Kallinger kalmiert bevor die Frage kommen kann. "Wir werden die Firsthöhe der umliegenden Häuser nicht überschreiten." Kallinger, Chef der Bautägergesellschaft "Kallco Projekt" weiß, warum er das sagt.

Unmittelbar hinter dem Museumsquartier (MQ), in der Breitegasse, will Kallinger noch heuer bauen. Auf jenen drei Parzellen, die derzeit vom "Bibelhaus", einem leerstehenden Bürogebäude und jener Brachfläche, auf die der Hintereingang des MQ mündet, besiedelt sind, sollen in einem Jahr Büro- und Wohnflächen stehen. Freilich ohne den Durchgang zum MQ zu beeinträchtigen: "Wo das leere Grundstück ist, bleibt ein Durchgang in der Höhe von zwei Geschossen," erläutert Kallinger die Pläne des Architekten Karl Pruscha. Von einer Einschränkung der Erreichbarkeit könne keine Rede sein: Endlich wird mit einer der unsäglichen Peinlichkeiten des Kunstviertels aufgeräumt - und der Zugang gesetzeskonform behindertengerecht gestaltet.

Bisher keine Belebung

"Wir freuen uns, dass endlich etwas geschieht", betont Hubert Winter, Galerist in der Breitegasse und Mitglied des Vereines der Geschäftsleute der Region, "denn der status quo ist frustrierend." Schließlich warte man schon seit dem Abriss des ehemaligen "Lomodepots" darauf, dass der Platz endlich dem Kunstumfeld entsprechend gestaltet werde - bisher dient er lediglich als Hundeklo. "Wir könnten rund 10.000 Euro beisteuern - das ist nicht viel."

Von der Siegeridee eines vom MQ initiierten Wettbewerbes haben Galerist wie Geschäftsleute sich schon lange verabschiedet: Der von einer jungen Architektengruppe vorgeschlagene Aussichtsturm hätte "einen wundervollen und einzigartigen Blick über das Quartier und die Innenstadt geboten", und auch "mehr Leute zu uns gebracht." Die erhoffte Belebung der Region bleibt die Hintertür bisher schuldig: Viele Leute verwenden sie, um der befahrenen Breitegasse und der Volkstheaterkreuzung auszuweichen.

Gegen den Aussichtsturm hätten aber nicht nur die Kosten (eine halbe Million Euro) gesprochen, sondern auch etwas ganz Prinzipielles: Winfried Kallinger betont schließlich nicht zufällig, dass das von ihm geplante Gebäude kein Turm werden wird. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.02.2002)

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