Fußball-WM-Übertragungen in ARD/ZDF gefährdet

27. Februar 2002, 14:57
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Vertragsstreit des WM-Rechte-Inhabers KirchGruppe mit dem spanischen Kanal Via Digital

Einem Drittel der deutschen Fußballfans droht während der in drei Monaten beginnenden Weltmeisterschaft ein schwarzer Bildschirm. Die 25 Live-Übertragung aus Südkorea und Japan in ARD und ZDF ist für jene rund elf Millionen Haushalte akut gefährdet, die ihr Programm über Satellit empfangen. Schuld ist ein Vertragsstreit des WM-Rechte-Inhabers KirchGruppe mit dem spanischen Kanal Via Digital. Trotz Monate langer Verhandlungen scheinen sich die Fronten nun sogar verhärtet zu haben: Der spanische Sender hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" in einem Brief an die KirchGruppe mit dem Gang vor deutsche Gerichte gedroht.

Via digital sieht seine von der KirchGruppe vertraglich zugesicherte Exklusivität gefährdet, weil in Spanien auch die von ARD und ZDF geplanten Live-Berichte über Satellit zu empfangen sind. Die Auswirkungen des komplizierten Problems haben die Zuschauer bereits bei der Auslosung der WM-Gruppen ganz deutlich zu sehen bekommen: Nach einer Klagedrohung von Via Digital verzichtete das ZDF kurzfristig auf eine Live-Übertragung.

"Das wäre eine Katastrophe ..."

Die ARD versucht seit der Panne bei der Auslosung Druck zu machen. "Wir haben Sorge, dass das noch einmal passiert. Das wäre eine Katastrophe. Wir wollen deshalb von Kirch Klarheit in dieser Frage", sagte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers. Das ZDF sieht das gelassener. "Wir haben eine klare Abmachung mit Kirch, die die analoge Ausstrahlung über Satellit erlaubt", erklärte ZDF-Sprecher Walter Kehr. Gleichzeitig bestätigte er aber, dass die digitale Ausstrahlung noch nicht geklärt sei.

Die KirchGruppe ist nach eigenen Angaben seit längerem in Verhandlungen mit dem spanischen Sender. "Wir gehen das Problem offensiv an", sagte Kirchs Sportrechte-Geschäftsführer Alexander Liegl. Er sieht sich dabei in einer guten Verhandlungsposition: "Via Digital will Rechte, die sie noch nicht haben." Gemeint sind die Rechte für die WM 2006 in Deutschland.

"Schwere Vertragspanne"

Beim Abschluss des Vertrages scheint den Kirch-Managern offensichtlich ein Fehler unterlaufen zu sein. "Der Vertrag ist ziemlich alt", sagte Liegl dazu und verweist auf einen Wechsel im Management des spanischen Senders. Eine Kirch-Sprecherin hatte nach Angaben der "Zeit" zugegeben, dass es eine schwere Verhandlungspanne gewesen sei. Am Mittwoch sagte ein Kirch-Sprecher, dass es sich dabei um eine Einschätzung der "Zeit", aber nicht der KirchGruppe handele.

Die KirchGruppe hat als Rechteinhaber die WM-Übertragungsrechte sowohl an ARD/ZDF als auch an Via Digital verkauft. ARD/ZDF mussten laut Kirch 115 Millionen Euro für maximal 25 Live-Spiele zeigen. Alle Partien live gibt es in Deutschland nur bei Kirchs defizitärem Pay-TV-Sender Premiere World. Der spanische Sender soll für alle 64 WM-Begegnungen knapp 150 Millionen Euro bezahlt haben. (APA)

Zur Nachlese
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