Demonstration zu Omofuma Prozess- Auftakt angekündigt

28. Februar 2002, 09:31
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Polizisten drohen bis zu zehn Jahre Haft

Wien - Am Montag beginnt im Landesgericht Korneuburg der Prozess um den Erstickungstod des Schubhäftlings Marcus Omofuma, der am 1. Mai 1999 den Flug von Wien nach Sofia nicht überlebt hat.

Großes öffentliches Interesse

Die Staatsanwaltschaft wirft in diesem Zusammenhang drei Fremdenpolizisten "Quälen eines Gefangenen mit Todesfolge" zur Last. Der Verhandlungsauftakt wird unter großem öffentlichen Interesse über die Bühne gehen, Vizepräsident Wilhelm Tschuguell, Pressesprecher des Landesgerichts, rechnet sogar mit Verkehrsbeeinträchtigungen im Korneuburger Stadtzentrum.

"Der Hauptplatz ist am Montag gesperrt. Es wird auch eine Demonstration geben, die meines Wissens schon genehmigt worden ist", erklärte Tschuguell im Gespräch mit der APA. Prozessbesuchern, die mit dem Auto anreisen, empfiehlt er, den Wagen bereits in der Nähe der Autobahnabfahrt abzustellen.

Platzkarten

Das Interesse an der Verhandlung ist enorm: Der zuständige Richter hat das Verfahren daher schon in den Schwurgerichtssaal verlegt, der immerhin 65 Zuhörern Platz bietet. Ein Kontingent, das kaum ausreichen dürfte: Im Landesgericht hat man daher entschieden, "Platzkarten" auszugeben. Da die Nachfrage groß ist, wird es daher vermutlich pro Medium eine einzige Zutrittsberechtigung geben. "Es sollen ja auch Leute aus dem Volk hineinkommen", meinte Tschuguell. Rund die Hälfte der Plätze wird deswegen gewöhnlichen "Kiebitzen" vorbehalten bleiben.

Anklageschrift

In der Anklageschrift wird den Polizeibeamten vorgeworfen, den 25-jährigen Nigerianer zunächst mit Klettverschlüssen an Armen und Beinen gefesselt und ihm mit Klebeband den Mund verklebt zu haben. Danach wurde Marcus Omofuma ins Flugzeug getragen und in die vorletzte Reihe gesetzt. Der Oberkörper sei ihm dort mit einem mit erheblicher Krafteinwirkung mehrfach über die Brust und die Sitzlehne geklebten Band fixiert, der Mund und Teile der Nase mit einem anderen, mehrfach um den Kopf gewickelten Band zugeklebt worden, heißt es in der Anklage weiter.

Der Staatsanwalt wertet das Aufrechterhalten dieser Position bis zum Abflug und während des Fluges wörtlich als "körperliche Qualen, die den Tod zur Folge hatten". Bei der angeblich heftigen Gegenwehr Omofumas gegen diese Maßnahmen hätten die Polizisten die Abschiebung nach seinem Dafürhalten abbrechen müssen.

Am ersten Verhandlungstag werden nach dem Anklagevortrag und dem Plädoyer von Verteidiger Farid Rifaat die drei Beschuldigten einvernommen. Am darauf folgenden Mittwoch sollen dann die ersten Zeugen aussagen - vom Verteidiger beantragt und bereits geladen sind unter anderem auch die ehemaligen Innenminister Franz Löschnak (S), Caspar Einem (S) und Karl Schlögl (S). Die gerichtsmedizinischen Gutachten zur genauen Todesursache werden erst Mitte April erörtert werden. Im Fall eines Schuldspruchs drohen den Polizisten bis zu zehn Jahre Haft.(APA)

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