Algerien fühlt sich im Kampf gegen Terror im eigenen Land besser verstanden

27. Februar 2002, 13:48
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Außenminister: "Seit 11. September hört man uns mehr zu"

Algier/Rabat - Algerien fühlt sich seit den Terroranschlägen in den USA in seinen Bemühungen zur Bekämpfung des Terrorismus im eigenen Land besser verstanden. "Seit dem 11. September hört man uns mehr zu", sagte der algerische Außenminister Abdelaziz Belkhadem am Rande des österreichischen Außenministerbesuchs in Algier gegenüber österreichischen Journalisten. Kein Verständnis zeigte der Minister für mögliche US-Angriffe auf den Irak im Rahmen der Anti-Terrorismus-Kampagne Washingtons.

Belkhadem wies darauf hin, dass zwei der im algerischen Untergrund aktiven Gruppen auf den internationalen Terroristen-Fahndungslisten stehen. "Es gibt keine guten und schlechten Terroristen", betonte der algerische Außenminister. Damit wolle er sagen, dass man keinen Unterschied machen dürfe, zwischen dem Terrornetz von El Kaida und anderen Terroristengruppen.

Keinen Grund gibt es nach den Worten des algerischen Ministers für eine US-Attacke gegen den Irak. "Dieses Land ist nicht terroristisch", die regierende Baath-Partei sei eine laizistische Partei. Zu der von US-Präsident Bush angesprochenen "Achse des Bösen" sagte Belkhadem, dies sei "eine amerikanische Sichtweise". Zu dem Begriff "Achse des Bösen" meinte er weiter: "Jeder gibt dem einen anderen Inhalt."

Ausdrücklich forderte der algerische Außenminister eine Verhandlungslösung im Nahen Osten. Die Palästinenser erwarteten einen eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt. Positiv werde in der arabischen Welt der Friedensplan des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah bewertet. Belkhadem betonte, die Araber hätten sich seit Madrid für den Friedensprozess entschieden, Israel wolle hingegen nicht mehr an den Verhandlungstisch.

Scharf attackierte der Minister die Militäraktionen in den palästinensischen Autonomiegebieten. "Die Israelis disqualifizieren den Palästinenser-Führer Yasser Arafat, sie töten Palästinenser, sie zerstören Häuser", sagte er. Auf die Selbstmordanschläge von Palästinensern in Israel angesprochen, erklärte Belkhadem, den Palästinensern lasse man keine Chance. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon habe den Israelis den Frieden versprochen, doch herrsche im Nahen Osten jetzt ein Desaster, und es habe nie zuvor so viele Opfer gegeben wie jetzt. Eine Friedenslösung müsse auf den Grenzen von 1967 basieren, forderte Belkhadem. (APA)

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