Lokführer haben wenig Chancen um Unfälle zu vermeiden

27. Februar 2002, 13:39
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Bei Geschwindigkeiten von 160 km/h müssen Signale blitzschnell erkannt werden

Wien (APA) - Die Verwirklichung des Bubentraums, Lokführer zu werden, bringt körperlichen Stress und psychische Belastungen. Wie der Vorsitzende des Fachverbandes Traktion des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Helfried Scheifinger, im Gespräch mit der APA erklärte, seien der Herausforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Die verlangte Produktivitätssteigerung habe mehr Belastungen für die rund 4.900 Maschinisten gebracht, so Scheifinger. In den einzelnen Dienstschichten werde eine höhere Kilometerleistung verlangt. Die Folge: Mit der Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten sei man schon sehr nahe an den gesetzlichen Vorgaben.

Geschwindigkeiten von 160 km/h

Gleichzeitig sei auch im Laufe der Jahre die Fahrgeschwindigkeit erhöht wurden, so der Experte. Im Personenverkehr werde auf der Westbahnstrecke mit Spitzengeschwindigkeiten von 160 km/h gefahren. Auch Güterzüge donnern mit bis zu 100 km/h durch Österreich. Bei diesem Tempo müssen Signale blitzschnell erkannt werden.

Bei 100 km/h liegt der Bremsweg etwa zwischen 700 und 1.400 Metern

Etwa 800 bis 1.000 Tonnen wiegt laut Scheifinger ein durchschnittlicher Güterzug. Bei 100 km/h liegt der Bremsweg etwa zwischen 700 und 1.400 Metern. Erkennt ein Lokführer bei diesem Tempo ein Hindernis, kann er zwar noch reagieren, der Zusammenstoß lasse sich aber kaum verhindern. Nach dem Einleiten der Notbremsung bleibe meist nur noch die Flucht in den Maschinenraum.

Fahrgeschwindigkeit und Aufenthalte in den Stationen muss der Lokführer exakt nach einem vorgegebenen Fahrplan einhalten. Dabei muss er auch auf besondere Situationen wie etwa Bauarbeiten Rücksicht nehmen. Die einzelnen Routen lernt er im Zuge seiner Ausbildung bei der "Streckenfahrpraxis" kennen.

Die wichtigsten Vorgänge werden im Führerstand aufgezeichnet

Selbstverständlich werden die wichtigsten Vorgänge im Führerstand genau aufgezeichnet. Laut Scheifinger werden in älteren Loks noch Magnetstreifen verwendet. In moderneren Typen findet sich eine "Blackbox" ähnlich wie in Flugzeugen. Am PC lassen sich u.a. Tempo und Bremsmanöver genau nachvollziehen.

Einjährige Ausbildung

Mindestens ein Jahr dauert es bis eine Lok allein gefahren werden darf. In 52 Wochen wird das nötige technische Wissen vermittelt, erklärte Scheifinger. In dieser Zeit wird bereits in Begleitung gefahren. Nach der einjährigen Ausbildung erledigen die "Neulinge" die Verschubfahrten. Mit ausreichend Fahrpraxis und der Typenprüfung für die einzelnen Lok-Modelle kann schließlich die Streckenfahrpraxis erworben werden. Dann steht der Fahrt mit Güter- oder Reisezug nichts mehr im Wege.(APA)

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