Neue Musicals kommen nach Wien

27. Februar 2002, 20:19
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Mel Brooks' vielfach prämierter 'The Producers', 'Wallstreet.com', 'Barbarella' ...

Wien - Rudi Klausnitzer, Intendant der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) präsentierte am Mittwoch für das Theater an der Wien und das Raimund Theater einen Spielplan bis zum Jahr 2006, der mit dem Broadway-Hit "The Producers" - der Musicalversion von Mel Brooks Kultfilm "The Producers" ("Frühling für Hitler", 1967) - eine Deutschsprachige Erstaufführung und mit "Wallstreet.com", "Wake Up!", "Barbarella" sowie den noch nicht endgültig fixierten Projekten "Kill & Win" und "Mayerling" bis zu fünf Uraufführungen umfasst.

Dahinter stünde für Klausnitzer die "Überzeugung, dass wir zum überwiegenden Teil Eigen- oder Koproduktionen machen sollten. (...) Wenn wir nicht zu einer langfristigen Planung kommen, haben wir Schwierigkeiten, Partner zu finden."

Jekyll bleibt, Hair geht

Das derzeit im Theater an der Wien laufende Musical "Jekyll & Hyde" wird im September wieder aufgenommen. Dagegen fällt im Raimund Theater für "Hair" am 30.6. der letzte Vorhang.

Wie bereits bekannt folgt "Wake Up!", die Uraufführung eines Musicals über die Höhen und Tiefen des Show- und Pop-Business, geschrieben von Rainhard Fendrich und Harold Faltermeyer. Bis Ende April soll die Besetzung abgeschlossen sein. Die Inszenierung von Philippe Arlaud wird am 21.9. Premiere haben und soll bis Ende 2003 laufen.

"The Producers" ab 2003

Nach intensiven Verhandlungen und einem langen Gespräch mit Mel Brooks ist es Klausnitzer gelungen, sich die Rechte für die erste nicht-englischsprachige Produktion der Musicalversion von Brooks Kultfilm "The Producers" ("Frühling für Hitler", 1967) zu sichern. Das Musical erlebte am 19. 4. 2001 seine Uraufführung am Broadway und wurde mit der Rekordzahl von zwölf Tony Awards ausgezeichnet.

Klausnitzer: "Möchten Sie kurz- oder mittelfristig Tickets für die Broadway-Produktion, müssen Sie derzeit 800 US-Dollar auf den Tisch legen. Sie können sich also vorstellen, wie viele Mitbieter wir bei den Rechten hatten." Premiere im Theater an der Wien wird im Herbst 2003 sein, nach einer Saison soll nach dem Wunsch der US-Produzenten die Produktion in Deutschland gezeigt werden. Die Verhandlungen darüber sind im Laufen. Uraufführungs-Regisseurin Susan Stroman soll auch bei der Wiener Produktion Hand anlegen.

"Moderner Lumpazivagabundus"

Ebenfalls für Herbst 2003 ist die Uraufführung des ersten Musical-Projekts von Starautor Leon de Winter geplant. Die VBW-Produktion "Wallstreet.com" wird jedoch in Deutschland Premiere haben und erst im Herbst 2004 in das Theater an der Wien übersiedeln. Die Gespräche mit den deutschen Partnern sollen bis zum Sommer abgeschlossen sein. "Das Buch ist in der Endfertigung, die Musik von Peter Wolf ist zu zwei Dritteln fertig gestellt", berichtete Klausnitzer über den Stand der Vorbereitungen zu der "modernen Version von Lumpazivagabundus". Im Winter hofft man, mit Auditions beginnen zu können.

"Eurythmische" Barbarella

Im Frühjahr 2004 kommt "Barbarella", ein Musical rund um die durch die Verfilmung von Roger Vadim mit Jane Fonda populäre Comic-Figur, als Uraufführung in das Raimund Theater. "Wir werden den Film nicht 1:1 umsetzen", versicherte Klausnitzer. Dank der Sicherung der Rechte am Originalmaterial von Jean Claude Forest werden im Musical auch Episoden enthalten sein, die keinen Eingang in die Leinwand-Version fanden.

"Wichtig war mir, dafür einen Komponisten zu finden, der nicht nur Interesse am Stoff hat, sondern auch in der heutigen Rock- und Pop-Welt verankert ist, damit das keine Retro-Geschichte wird", erläuterte der VBW-Chef, der (irrigerweise? - Anm.) glaubt, in Dave Stewart, dem (gemeinsam mit Annie Lennox) musikalischen Kopf der Gruppe "Eurythmics", den idealen Mann dafür gefunden zu haben. In zwei Workshops wurden bereits musikalische Grundlinien und der Rahmen für das Buch festgelegt, die Entscheidung für den Textautor ist noch nicht gefallen.

Zukunftsmusik Mayerling und Intenet

Für zwei Uraufführungs-Projekten gibt es noch keine Termine: Autor Frederic Morton schreibt derzeit unter dem Titel "Mayerling" an einer Musicalfassung seines Buches "Der letzte Walzer". Klausnitzer: "Wir haben noch keinen Komponisten, es gibt noch kein grünes Licht für die Produktion." "Mayerling" könnte möglicherweise im Herbst 2005 der "Wallstreet.com"-Nachfolger im Theater an der Wien werden.

Die Nachfolge von "Barbarella" im Raimund Theater könnte dagegen im Frühjahr 2006 ein im Jahr 2084 spielendes Internet-Musical antreten: "Kill & Win" ist ein von den jungen österreichischen Musikern Christof Straub und Roumina Wilfling entwickeltes und vorgeschlagenes Projekt, zu dem es bereits genaue Musik- und Buch-Vorstellungen gibt. Klausnitzer: "Die Handlung dreht sich um ein Computerspiel, bei dem es um Leben und Tod geht, und dessen Attraktivität so groß ist, dass ihm immer mehr Menschen verfallen."

Betreuung trotz Abgang

Alle Produktionen würden von ihm "künstlerisch mitbetreut" werden, sagte Klausnitzer, der noch heuer zur News-Gruppe wechselt. Seine Nachfolge solle erst nach einer Entscheidung über die künftige Bespielung des Theaters an der Wien fixiert werden; zunächst möge man die Untersuchung der Beratungsfirma Infora abwarten, die bis April klären soll, ob eine verstärkte Opernbespielung möglich wäre. Für das Mozart-Jahr 2006 rechnet Klausnitzer aber damit, dass "im Theater an der Wien vorrangig Mozart gespielt wird". (APA)

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