Finz: Sorge vor Inflationsschub war unbegründet

27. Februar 2002, 17:47
posten

Wirtschaft zeigte Disziplin - "Hoffe, der Abschiedsschmerz ist nicht zu groß"

Wien - Die Umstellung vom Schilling-Bargeld auf den Euro ist in Österreich weitaus reibungsloser vonstatten gegangen als in manchen anderen Euro-Ländern. "Die Wirtschaft hat im Großen und Ganzen Disziplin gezeigt" von wenigen Einzelfällen abgesehen, berichtet Finanzstaatssekretär Alfred Finz (V) für die am 28. Februar endende Doppelwährungsphase: "Es war die große Sorge, dass die Inflation durch die Euro-Umstellung einen Schub bekommt. Das hat nicht stattgefunden", so Finz am Dienstagabend bei der offiziellen Eröffnung der Währungsausstellung ("Vom Schilling zum Euro") im Wiener Kunsthistorischen Museum.

Nach Angaben von Österreichs Notenbankgouverneur Klaus Liebscher sind die positiven Effekte des Euro auch für die heimische Wirtschaft spürbar: "Wir haben heute in der Eurozone absolute Preisstabilität", so EZB-Ratsmitglied Liebscher, der zugleich einräumte, dass die Inflationsrate "für unsere Begriffe" noch immer etwas zu hoch sei.

"Österreich ist kein teures Euroland"

Die Einheitswährung erhöhe die Preistransparenz, wobei laut Finz der Preisvergleich mit Deutschland in den westlichen Bundesländern leichter sei. "Österreich ist kein teures Euroland", betonte er.

Ab morgen, Donnerstag, 24 Uhr sind Schilling, D-Mark & Co Geschichte. Finz und Liebscher sprachen unisono von einem "historischen Augenblick". Der innere Wert des Schilling sei mit der Umstellung auf den Euro nicht verloren gegangen, "setzt sich im Euro fort", sagte Liebscher. Der Euro habe das Potenzial, langfristig zu einer starken Weltwährung zu werden.

Finz sagte, er hoffe, dass der Abschied vom Schilling, der in den Geldbörsen der Bürger schon vollständig durch den Euro ersetzt ist, "nicht zuviel schmerzt".

Keine Wehmut in Österreich

Die Tatsache, dass ab dem 1. März nur noch mit Euro bezahlt werden kann, löst nach neueren Umfragen in der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (69 Prozent) keine Wehmut aus.

Etwas anders scheint dies noch im benachbarten Deutschland: Hier trauert fast jeder Zweite der D-Mark nach. Besonders schwer fällt deutschen Frauen der Abschied. 47,7 Prozent der Bundesbürger wünschen sich die alte Währung zurück, wie eine von AFP am Mittwoch publizierte repräsentative Umfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für das Wirtschaftmagazin "Focus-Money" unter 1.016 Bundesbürgern ergab. Demnach sind nur 47,5 Prozent mit dem Euro bisher zufrieden, 4,8 Prozent machten keine Angabe. 54 Prozent der Frauen würden gerne weiter mit Mark und Pfennig bezahlen. Dagegen gehörten nur zwei von fünf Männern zu den Mark-Nostalgikern. In Berlin leben mit 64,3 Prozent die meisten Mark-Anhänger.(APA)

Share if you care.