Weniger Stress im Job würde Zahl der Herzinfarkte senken

27. Februar 2002, 12:36
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Mehr Arbeitstage gehen durch psychischen Stress verloren als auf Grund von körperlichen Ursachen

Hamburg - Weniger Stress am Arbeitsplatz könnte Experten zufolge die Zahl der Herzinfarkte in Deutschland um bis zu 10.000 pro Jahr reduzieren. "Wir könnten vermutlich bis zu zehn Prozent der 100.000 Fälle in Deutschland verhindern - durch ein stressfreieres Arbeitsumfeld", sagte der Arbeitsmediziner Prof. Johannes Siegrist von der Universität Düsseldorf in einem Interview des Hamburger Magazins "Geo" (Märzausgabe).

Mit Vorbeugungsmaßnahmen gegen Stress könnten Firmen "gewaltige Summen" einsparen, auch wenn sich Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter erst mittelfristig rentierten. Weltweit gehen inzwischen mehr Arbeitstage durch psychischen Stress verloren als auf Grund von körperlichen Ursachen, berichtet GEO unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf.

Zunahme der Arbeitsanforderungen

Mehr als jeder zweite Berufstätige in Deutschland beklage hohen Zeit- und Termindruck. Besonders betroffen seien die 18- bis 29-Jährigen, so das Magazin unter Hinweis auf einer Studie des Forsa-Instituts und der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Jeder fünfte Berufstätige lebt laut "Geo" in der Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.

Siegrist zufolge ist zu erwarten, dass "die Anforderungen an die Arbeitnehmer weiter zunehmen", zum Beispiel durch verkürzte Produktionszyklen und die rasche Umstellung auf neue Technologien. Ein Beispiel eines schwedischen Unternehmens zeige jedoch, dass durch Verbesserungen der Arbeitsorganisation für die Mitarbeiter die Zahl der Krankentage halbiert werden könne. Der Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie an der Universität Düsseldorf räumte ein, mit der Forschung "noch ziemlich am Anfang" zu stehen. Die Arbeitsmedizin habe sich bisher nur am Rand mit stressbedingten Krankheiten befasst. (APA)

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