Missbrauchsvorwurf gegen UNO-Mitarbeiter

27. Februar 2002, 16:04
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UNHCR-Bericht informiert über zahlreiche Vergehen an westafrikanischen Flüchtlingskindern

Genf - Mitarbeiter der UNO und anderer Hilfsorganisationen haben in Westafrika offenbar zahlreiche minderjährige Flüchtlingskinder sexuell missbraucht. Es handle sich um "sehr viele Fälle", heißt es in einem Bericht, den das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Kinderschutzorganisation Save the Children am Dienstag in Genf vorstellten.

Eine Untersuchung vor Ort habe ergeben, dass einheimische Angestellte in mehr als 40 UNO-Niederlassungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone ihre minderjährigen Schützlinge missbraucht hätten. Dies gehe aus Befragungen von Kindern und den Mitarbeitern von rund 40 Hilfsorganisationen hervor.

Untersuchung

Eine Untersuchungsdelegation der Vereinten Nationen (UNO) soll in West-Afrika Berichten über den sexuellen Missbrauch von Flüchtlingskindern durch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nachgehen. Wie die UNO-Flüchtlingskommission (UNHCR) am Mittwoch mitteilte, soll die Delegation aus Genf, dem UNHCR-Sitz, in Guinea, Liberia und Sierra Leone ermitteln.

Rund 70 Mitarbeiter involviert

Eine UNHCR-Studie hatte am Dienstag ergeben, dass Flüchtlingskinder von etwa 70 Mitarbeitern von rund 40 Hilfsorganisationen als Gegenleistung für Medizin und Lebensmittel zum Sex gezwungen worden waren. Es werde alles getan, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, teilte die UNHCR weiter mit. Die Studie war veranlasst worden, nachdem Flüchtlingsmädchen unter 18 Jahren lokalen Mitarbeitern von Hilfsorganisationen sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatten.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen baten zur Kasse

Bereits im vergangenen Monat hatten UNO-Ermittler aufgedeckt, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu Beginn der 90er Jahre illegal Millionen von Dollar von Flüchtlingen kassiert hatten, um ihnen die Flucht aus Afrika zu ermöglichen.

Der Westen Afrikas wird seit mehr als zwölf Jahren durch Konflikte beherrscht, die in Liberia, Sierra Leone und Guinea Hunderttausende Menschen in die Flucht trieben. In Marokkos Hauptstadt Rabat begann an Mittwoch eine Konferenz der drei Staaten mit dem Ziel, die Konflikte zu beenden.

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