Gemein(sam) Fernsehen

27. Februar 2002, 19:19
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Gesprächsprotokoll eines Telefonats von Dienstag, dem 26. 2. 2002. - 27. Februar 2002

Ort: eine so genannte Singlewohnung. Es läuft Musik, Schmutzwäsche und CDs liegen am Boden, in der Glotze läuft MTV ohne Ton. Das Telefon läutet.

Nach dem Begrüßungsritual die Anruferin flötend: "Duhu? Was hast du denn heute am Abend vor?"

Er, der Angerufene, skeptisch, weil mehrfaches Flötenopfer: "Weiß nicht. Ist etwas, wo man hin muss?"

Sie: "Nein, eben nicht. Und das Wetter ist außerdem grauslich und bäh, dass heißt, wir könnten wieder einmal . . ."

Er ihr ins Wort fallend: "Der Pate, Teil eins bis drei, in einer Wurscht anschauen?"

Sie: "Nein, ich hatte eher etwas pädagogisch Wertvolles im Sinn."

Er: "Versteh! Die Alien-Box, Teil eins bis vier. Wann?"

Sie: "Pfff! Nein, auch nicht. Ich dachte, jetzt, wo du die ORF-1-Taste nach dem Olympia-Boykott abgestaubt hast, könnten wir wieder einmal Fernsehen - ganz normal."

Er denkt, jetzt ist sie durchgedreht, und sagt: "Nämlich was?"

Sie: "Etwas, dass dich mich besser verstehen lässt."

Er, Böses ahnend: "Die Sendung mit der Maus? Lach- und Sachgeschichten? Das läuft noch?"

Sie, empört: "Nein, heute kommt Sex And The City!"

Er: "Ist das nicht diese menschenverachtende Serie, in der Männer ganz mies wegkommen?"

Sie: "Yep!"

Er: "Und ich dachte, du magst mich."

Sie: "Lalalalala . . ."

Er, mit dem Rücken zur Wand: "Okay . . ." (flu/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27. Februar 2002)

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