Fed senkt US-Wachstumsprognose

27. Februar 2002, 22:14
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Greenspan: Erholung ist schwächer als nach früheren Rezessionen - Inflationsgefahren eingedämmt

Washington - Die US-Wirtschaft befindet sich nach den Worten des Chefs der US-Zentralbank (Fed), Alan Greenspan, in der Nähe eines Wendepunkts und dürfte in einem langsameren Tempo zu wachsen beginnen als bei früheren Rezessionen. Wie Greenspan am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Kongresses sagte, erwarten Fed-Experten für dieses Jahr ein inflationsbereinigtes Wachstum zwischen 2,5 und drei Prozent.

Das liegt unter der Fed-Schätzung vom Juli vergangenen Jahres, als noch von drei bis 3,25 Prozent ausgegangen worden war. Die Erholung der US-Wirtschaft könnte in diesem Jahr nach den Worten des Präsidenten der US-Notenbank schwächer ausfallen als von den Märkten erwartet, da das Erholungstempo möglicherweise durch fehlende Konsumnachfrage begrenzt werde.

Daneben wirkten sich auch die volatile Verfassung der Finanzmärkte in den USA wie auch im Ausland sowie die Überkapazitäten der US-Industrie hemmend auf eine zügigere Erholung aus. In seinem Bericht zur US-Geldpolitik unterstrich Greenspan am Mittwoch, dass die sich abzeichnende Erholung keinen Inflationsdruck erwarten lasse. Damit dämpfte er zugleich Spekulationen, dass die Fed möglicherweise bereits im Juni zu einer strafferen Geldpolitik übergehen könnte.

"Zurückhaltung"

Analysten sagten, Greenspans Worte seien zwar optimistischer als zu Jahresanfang. Doch charakterisierten sie seine Äußerungen zugleich auch als vorsichtig und zurückhaltend. Daher sei in Zukunft mit einer Periode unveränderter Leitzinsen zu rechnen.

Die Märkte reagierten zunächst enttäuscht auf die Äußerungen Greenspans, erholten sich dann aber wieder teils deutlich. Der Dollar fiel zu Euro und Yen auf ein Tagestief. Die US-Aktien büßten einen Teil ihrer Gewinne ein, erreichten später aber wieder das Niveau von vor Redebeginn. US-Staatsanleihen legten zu.

In Deutschland geht das Finanzministerium nach eigenen Angaben von einer unmittelbar bevorstehenden Wende aus. "Die Geschäftserwartungen haben sich dreimal in Folge deutlich verbessert, und die Auftragseingänge in der Industrie aus dem In- und Ausland sind aufwärts gerichtet", erklärte das Ministerium am Mittwoch in Berlin. "Dies spricht dafür, dass die konjunkturelle Wende zum Besseren kurz bevorsteht."Die Regierung rechnet mit einem Wachstum von rund 0,75 Prozent im laufenden Jahr. (red, dpa, DER STANDARD, Printausgabe 28.2.2002)

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