Spängler: In Korea feht noch Earnings Visibility

26. Februar 2002, 18:08
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Die Fondsmanager des Spängler Pacific Trust meiden Korea noch. Markus Dürnberger im Gespräch mit e-fundresearch.

e-fundresearch/Salzburg: Markus Dürnberger, Sie sind beim Bankhaus Carl Spängler produktverantwortlich für den Spängler Pacific Growth Trust und den Spängler Japan Growth Trust. Murdo Murchison, Fondsmanager des Templeton Growth Fund, meinte kürzlich in einem Interview: "Korea ist wie Japan, nur viel billiger." Warum hält der Value-orientierte Pacific Growth Trust aktuell knapp ein Drittel seines Vermögens in japanischen Aktien und ist etwa in Korea nicht investiert?

Markus Dürnberger: Grundsätzlich ist Korea für Bowen Capital durchaus ein Investitionsthema. Als Voraussetzung gilt aber, dass die strengen Investitionskriterien - die Bowen sich beim Kauf eines Titels auferlegt hat - erfüllt werden. Bei einzelnen interessanten Unternehmen in Korea ist dies zur Zeit nicht der Fall. Nach wie vor fehlt dort eine gewisse „earnings-visibility“. Es ist schwer nachzuvollziehen wo die Gewinne der Unternehmen, speziell der Kleineren, hinfließen. Weiters ist, laut Bowen, die Managementqualität in Korea noch nicht ausreichend um in diese Werte zu investieren. Bowen muss ja nicht in Korea investieren, man kauft nur Titel die ausgezeichnete Gewinnaussichten haben, ein hohes Return-on-Capital aufweisen, eine marktbestimmende Position in ihrem Segment haben bzw. komparative Vorteile gegenüber der Konkurrenz aufweisen und auch ein solides Management bzw. Bilanzen haben. Dies ist eben bei einzelnen interessanten Unternehmen in Korea noch nicht der Fall, gleichwohl der Markt selbst von Bowen natürlich mit Interesse beobachtet wird.

Bowen nützt Marktschwächen zum Kauf

e-fundresearch/Salzburg: Die Top-10-Holdings des Pacific Growth Trust machen aktuell fast 54 Prozent des Fondsvolumens aus. Darüber hinaus sind knapp 10 Prozent Cash. Findet die Fondsmanagerin, Celina Lin, derzeit nicht genug günstig bewertete Unternehmen in Asien?

Markus Dürnberger: Es gibt durchaus viele interessante Unternehmen in der Region. Nur geht Bowen davon aus, dass in den nächsten Monate die Märkte noch sehr volatil bleiben. Diese Volatilität möchte man nutzen, um in gewissen Titeln Positionen aufzubauen. Der aktuelle Cash Level von 10% ist für Bowen historisch gesehen sehr hoch. Vom Investmentansatz her betreibt das Haus kein Markt-Timing aber aufgrund der hohen Volatilität möchte man weitere Rückgänge ausnutzen, um diese 10 Prozent noch günstiger zu investieren.

Die Perlen des Fonds

e-fundresearch/Salzburg: Die größte Position des Fonds ist Li & Fung mit 8,9 Prozent. Dieses Unternehmen ist den Anlegern hier nahezu unbekannt. Könnten Sie kurz erläutern welche Gründe für diese Aktie sprechen?

Markus Dürnberger: Li & Fung ist eines der größten unabhängigen Handelshäuser überhaupt. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Asien, Europa und in den USA – ein Global-Player also. Es bietet seinen Kunden so genannte „Value-Added Services“ an, also z.B. Just-in-time delivery oder auch Qualitätskontrollen wenn ein Unternehmen etwa in Asien produzieren lässt. Li & Fung sucht hierfür die Produktionsstätten aus und kontrolliert weiters auch die Produktion. Ein tolles Service also für Unternehmen die ihre Produktion nach Asien outsourcen wollen.

e-fundresearch/Salzburg: Colin Corp. ist im Pacific Growth Trust mit 7,9 Prozent gewichtet, im Japan Growth Trust sogar mit fast 9 Prozent. Eine weitere Perle nach der Bowen Capital Management getaucht ist?

Markus Dürnberger: Colin Corp ist ein japanisches Unternehmen aus dem zweiten Marktsegment, das eine ausgezeichnete Position im medizintechnischen Bereich hat. Ein sehr interessantes neues Produkt kommt etwa aus dem Bereich der Blutdruckmessung. Hier hält man in Japan über 60 Prozent Marktanteil, weltweit etwa 20 Prozent. Man expandiert jetzt, durch eine Kooperation mit General Electric, nach Indien. Hochinteressant ist, dass dieses Produkt von Colin weltweit durch 200 Patente geschützt ist und der Markteintritt für Konkurrenten deswegen nahezu unmöglich ist. In den nächsten 4-5 Jahren erwartet Bowen für Colin ein Gewinnwachstum von 30 Prozent p.a., letztes Jahr waren es sogar 50 Prozent.

e-fundresearch/Salzburg: Wie sieht die konkrete Zusammenarbeit des Bankhaus Spängler in Salzburg mit Bowen Capital in Hongkong aus. Wie oft erhalten Sie etwa welche Infos?

Markus Dürnberger: Grundsätzlich gibt es monatlich einen längeren Kontakt, etwa einen Marktbericht über die beiden Fonds Spängler Pacific Growth und Japan Growth Trust. Wenn Unternehmen neu in das Anlageuniversum bzw. in einen der beiden Fonds aufgenommen werden, gibt es von Bowen sofort Fact-Sheets mit den Analyseergebnissen - etwa warum gerade dieses Unternehmen interessant ist. Darüber hinaus stehen die Kollegen in Hongkong jederzeit für Rückfragen zur Verfügung. Weiters ist auch angestrebt den Kontakt zu intensivieren – letztes Jahr war ich z.B. 2 Wochen in Hongkong um einen besseren Einblick von Bowen zu bekommen. Gemeinsam haben wir einige Unternehmensbesuche gemacht um die Zusammenarbeit zu intensivieren und das Verständnis für den Selektions- bzw. den Quality-Growth Prozess zu fördern und um diesen im deutschsprachigen Raum kommunizieren zu können.

e-fundresearch/Salzburg: Vielen Dank für das Gespräch!

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