"Olympiamedaillen sind unbezahlbar"

27. Februar 2002, 20:15
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Skiindustrie rechnet mit Umsatzplus nach Salt Lake City - Hoffnungsmarkt USA im Visier

Wien - Die Olympischen Spiele in Salt Lake City waren für Österreichs Skifirmen überaus erfolgreich. Ob Ski alpin, Langlauf oder Sprungsport: Kaum ein Siegerfoto der ersten drei, auf dem nicht auch ein Ski aus heimischer Produktion verewigt wurde.

Die in Österreich produzierende Skiindustrie hat mittlerweile ihren Weltmarktanteil von über 50 Prozent wieder zurückerobert, die Exportquote liegt bei über 80 Prozent. Diese Anteile sollten durch die Erfolge der Skiasse auf heimischen Latten noch gesteigert werden können.

"Der Medaillenregen bringt nachweisbare Steigerungen für unser Geschäft und vor allem für das Image der Marke", sagt Franz Ratzenberger, Verkaufsleiter von Fischer. "Müsste man die Geschäftskontakte, die man in Salt Lake City knüpfen konnte, aus dem Werbebudget finanzieren, wäre das unbezahlbar."

Alle gegen Frankreich

In den USA sei der Rennlauf zwar zweitrangig, Großereignisse wie Olympische Spiele könnten aber dazu beitragen, die Bekanntheit der österreichischen Marken zu erhöhen. Das helfe, die Dominanz der französischen Skifirmen am US-Markt zu durchbrechen. Fischer gehe es vor allem darum, sich als hochwertige Marke zu positionieren, so Ratzenberger. Dafür investiere man pro Jahr 1,7 Mio. Dollar (1,95 Mio. €/26,83 Mio. S) in den US-Markt.

Die Jagd nach Medaillen hat in Europa und den USA unterschiedliche Auswirkungen. "In Amerika bringt Bronze für einen US-Athleten mehr Präsenz als der Olympiasieg eines Läufers anderer Nationalität", sagt Ratzenberger. "Bode Miller musste also nicht Olympiasieger werden, um für Fischer einen enormen Werbewert zu erzielen."

Der Ski der Sieger

In Europa wollten die Kunden dagegen nur den Ski der Sieger fahren, sagt Wolfgang Mayerhofer von Atomic. Davon habe Atomic einige im Weltcup-Team, schließlich führe man den Markenweltcup bei den Herren überlegen an. Neben Stephan Eberharter vertrauen mit Benjamin Raich, Lasse Kjus und Martina Ertl weitere Medaillengewinner aus Salt Lake City auf die Bretter aus Altenmarkt.

Das Atomic-Engagement im Weltcup mache pro Jahr einen "hohen zweistelligen Millionen-Schilling-Betrag" aus. Die starke Position Atomics am heimischen Markt (38 Prozent Marktanteil) sei unter anderem auf dieses Rennsport-Engagement zurückzuführen. Auch im Hoffnungsmarkt USA sei man derzeit die erfolgreichste österreichische Alpin-Skifirma.

Eine Kampfansage an Atomic kommt von Blizzard: Die Salzburger wollen die Investitionen in den Rennsport von heuer 1,5 Mio. Euro in der nächsten Saison deutlich ausweiten, "eventuell sogar verdoppeln", kündigt Marketingchef Robert Koch an. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD, Printausgabe 27.2.2002)

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