Osteuropa übersteht Konjunkturflaute mit blauem Auge

26. Februar 2002, 15:43
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Polen von Wirtschaftsabschwung am stärksten betroffen

Wien - Die mittel- und osteuropäischen Transformationsländer (MOEL) werden die weltweiten Stagnationstendenzen relativ gut und ohne allzu dramatische Wachstumseinbußen überstehen. Davon geht das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) heute, Dienstag, in seiner jüngsten Konjunkturprognose aus. Die Wachstumsraten der MOEL für 2003 werden zwischen 3,5 und 4 Prozent und damit über den Werten von Österreich erwartet. Daher könne man auch davon ausgehen, dass die Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft weiterhin positiv sein werden, betonte WIIW-Chef Peter Havlik.

Die "Welle" der globalen Konjunkturflaute sei vor allem in jenen mittel- und osteuropäischen Ländern zu spüren, die - ähnlich dem deutschen Wachstumsmuster - ein gutes Jahr 2000 und ein schlechteres Jahr 2001 hatten, erläuterte Studienautor Josef Pöschl. Neben Polen, wo es die stärksten negativen Auswirkungen geben werde - hier geht das WIIW heuer von einem Nullwachstum aus - zeige auch Ungarn ein ähnliches Bild, wo sich das Wirtschaftswachstum 2002 auf 3,6 Prozent deutlich abschwächen werde. In diesen Ländern habe sich der Abschwung durch die globale Wirtschaftsflaute noch zusätzlich verstärkt, auch die Industriedynamik sei verloren gegangen, so Pöschl.

Einige können zulegen

In Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und der Ukraine legte das Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2001 im Vergleich zu 2000 sogar noch zu, wenn auch in abgeschwächter Form. Eine Tendenz nach unten sei vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2001 festzustellen gewesen. Für 2002 geht das WIIW für diese MOEL von einem gleich bleibenden bzw. für Rumänien als einziges Land von einem steigenden Wirtschaftswachstum aus. Die Prognosen basieren jedoch auf der Annahme, dass sich die Weltkonjunktur gegen Ende 2002 wieder erholen werde.

Direkte Folgen der internationalen Wirtschaftsflaute auf Mittel-Osteuropa seien vor allem über den Außenhandel zu sehen, erklärte Pöschl. Das Exportwachstum sei von Quartal zu Quartal zunehmend zurück gegangen, in Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Russland wurde sogar ein Rückgang verbucht.

Steigerung des Außenhandelsdefizits

Das Versiegen des Exportwachstums in einer Reihe von Ländern führte allerdings zu keiner explosionsartigen Steigerung des Außenhandelsdefizits, weil sich die Dynamik bei den Importen - ähnlich wie bei den Exporten - deutlich verlangsamt habe. In Ungarn, Polen und Slowenien habe sich die Bilanz im Außenhandel sogar verbessert bzw. nicht verschlechtert. "Alarmierend" sei die Situation im Außenhandel jedoch in Bulgarien, Kroatien, Rumänien und der Slowakei, wo sich das Defizit deutlich verschlechtert habe.

Die Arbeitslosenrate werde nach WIIW-Prognose in allen mittel- und osteuropäischen Ländern unverändert hoch bleiben. Neben Kroatien, Mazedonien und Jugoslawien sollen auch in Polen und der Slowakei 2002 und 2003 negative Spitzenwerte von mehr als 15 Prozent Arbeitslosenrate erreicht werden.(APA)

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