Tantiemen-Streit vor Grammy-Verleihung

26. Februar 2002, 14:12
1 Posting

U2 mit acht Nominierungen voran - Auch Nikolaus Harnoncourt und das Duo Dolezal und Rossacher hoffen

Los Angeles - In der Nacht zum Donnerstag (27. auf 28.2.) werden in Los Angeles bei der 44. Verleihung der Grammys wieder die bekanntesten Musikpreise der Welt vergeben. Am chancenreichsten ist die irische Band U2 mit acht Nominierungen, gefolgt von den beiden jungen schwarzen Sängerinnen India.Arie und Alicia Keys mit sieben und sechs Anwartschaften. Auch Österreicher dürfen hoffen: In der Kategorie "Best Choral Performance" ist eine Aufnahme von Bachs "Matthäus-Passion" unter Nikolaus Harnoncourt nominiert, in der Kategorie "Best Long Form Music Video" ist das Wiener Produzenten-Duo Rudi Dolezal und Hannes Rossacher mit "Freddie Mercury - The Untold Story" im Rennen .

In der prominentesten Grammy-Kategorie "Album des Jahres" gelten U2 mit ihrer erfolgreichen CD "All That You Can't Leave Behind" als Favoriten. Doch zugleich nannten US-Musikkritiker immer wieder Bob Dylan mit "Love And Theft" als starken Kandidaten. Für ihn wäre ein Sieg nach dem Erfolg mit "Time Out Of Mind" der zweite Grammy innerhalb von drei Jahren. Im Rennen um den Album-Preis sind auch das Rap-Duo OutKast mit "Stankonia" und India.Arie mit ihrer Debüt-CD "Acoustic Soul". Auch das Filmmusik-Album zur Südstaaten-Komödie "O Brother, Where Art Thou?" wurde in dieser Kategorie nominiert.

"Songs In A Minor"

Zwar hatte bei den Nominierungen für Stirnrunzeln gesorgt, dass Arie und nicht Alicia Keys mit ihrem hoch gelobten Debüt-Album "Songs In A Minor" in der Hauptkategorie aufgestellt worden war. Doch im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als das Altherren-Duo Steely Dan gewann und nicht der ruppige Rapper Eminem, ist diesmal keine musikalische Kontroverse in Sicht.

Auf die Barrikaden

Streit gab es vor der Grammy-Show dennoch. Mehr als 100 Musiker - unter ihnen Stars wie Billy Joel, die Eagles und die Dixie Chicks - warfen den großen Plattenfirmen vor, Künstler durch "Knebelverträge" zu lange an sich zu binden und zudem die Tantiemen der Musiker nicht ordnungsgemäß und überschaubar abzurechnen. 24 Stunden vor der Preisverleihung wollten Stars wie Don Henley, Billy Joel, Sheryl Crow und andere frühere Grammy-Gewinner mit Live-Konzerten in vier Arenen symbolisch auf die Barrikaden gehen.

Sie hoffen, mit ihren Benefizauftritten rund fünf Millionen Dollar für die noch junge Musiker-Interessenvertretung Recording Artists Coalition (RAC) einzuspielen. Mit dem Geld soll eine Kampagne der RAC finanziert werden, die darauf abzielt, Gesetze des US-Bundesstaates Kalifornien, wo die meisten großen Label ansässig sind, zu Gunsten der Musiker zu ändern. Mehr Kopfzerbrechen bereitet der Musikindustrie allerdings der andauernde Rückgang der Verkaufszahlen. Zwar machte sie 2001 in den USA immer noch einen Umsatz von 13,7 Milliarden Dollar (15,8 Milliarden Euro), doch das waren fast fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor. (APA)

Share if you care.