Psychologen-Kongress endet im Eklat

26. Februar 2002, 13:49
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Ehemalige Psychiatriepatienten werfen Humangenetiker Propping "Neo-Nazi-Eugenik" vor und verlassen "obszönen Kongress"

Berlin - Ehemalige Psychiatriepatienten haben beim 14. Kongress für klinische Psychologie und Psychotherapie in Berlin für einen Eklat gesorgt. Sie warfen am Dienstag dem Bonner Humangenetiker Peter Propping "Neo-Nazi-Eugenik" vor und stellten einen inneren Zusammenhang mit "systematischen Gaskammermassenmorden" her. Propping seinerseits wies die Vorwürfe als "völlig absurd" zurück.

Tests

Dem Mediziner vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn war vom Werner-Fuss-Zentrum Berlin schon früher vorgehalten worden, er teste Blut von Psychiatrie-Patienten ohne deren Einverständnis auf genetische Abweichungen. "Die Forschungsarbeiten haben das Plazet der zuständigen Ethik-Kommission", sagte Propping hingegen. "Die Probanden werden selbstverständlich voll aufgeklärt."

"Es gibt überhaupt keinen Hinweis, dass die Vorwürfe gerechtfertigt wären", bekräftigte Kongresssprecherin Monika Bormann. Propping hatte schon 1998 gegen die Gruppe, einer Abspaltung der bundesweiten Selbsthilfegruppe "Irren-Offensive", Strafanzeige wegen Verleumdung als "Neo-Nazi" gestellt. Seither ermittele die Berliner Staatsanwaltschaft, sagte Propping.

"Obszöner Kongress"

Propping sprach am vergangenen Samstag auf Einladung des Veranstalters, der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), zur Frage "Determiniert die genetische Ausstattung das menschliche Verhalten?" In Büchern hatte er sich dafür stark gemacht, nach genetischen Tests psychologische Hilfe anzubieten. Die genetische "Zurichtung" von Menschen durch Gentechnik hält er technisch für nicht machbar.

Die Gruppe vom Fuss-Zentrum hatte zwei Flugblätter verteilt, die dem DGVT und dem Bonner Wissenschafter einen "Schulterschluss mit der scheinwissenschafttheoretischen Prämisse systematischer Gaskammermassenmorde" vorwarfen. Die Psychiatrie-Patienten verließen unter Protest den ihrer Ansicht nach "obszönen Kongress", nachdem Propping nicht wie verlangt ausgeladen wurde. Eine Vertreterin der "Irren-Offensive" distanzierte sich auf der Eröffnungsveranstaltung von den Flugblättern.

Die DGVT hatte Vertreter des Fuss-Zentrums und der "Irren- Offensive" zur Teilnahme an einem Podiumsgespräch eingeladen und ein eigenes Symposium organisiert. Der Kongress in der Freien Universität Berlin beschäftigt sich noch bis einschließlich Mittwoch mit der Frage "Gentherapie statt Psychotherapie?" Schirmherr des Kongresses ist das "Bündnis Menschenwürde".(APA/dpa)

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