Jaruzelski-Prozess wird erneut aufgerollt

26. Februar 2002, 13:33
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Polnischer Ex-Präsident muss sich wegen Niederschlagung des Aufstands von 1970 verantworten

Warschau - Der Prozess gegen den früheren polnischen Staatspräsidenten Wojciech Jaruzelski wegen der blutigen Niederschlagung von Arbeiterprotesten in Danzig 1970 wird neu aufgerollt. Das Verfahren vor einem Warschauer Gericht muss wegen der monatelangen Erkrankung eines Richters bei Null beginnen, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP am Dienstag. Jaruzelski muss sich wegen der gewaltsamen Niederschlagung des Arbeiteraufstands im Dezember 1970 vor Gericht verantworten. Der Ex-General (77) ist angeklagt, als damaliger Verteidigungsminister den Schießbefehl auf Werftarbeiter gegeben zu haben. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Jaruzelski hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Bei dem Aufstand in den Ostseestädten Danzig und Gdingen wurden nach offizieller Darstellung 44 Demonstranten von Sicherheitskräften getötet und mehrere hundert verletzt. Im vergangenen November hatte Jaruzelski ausgesagt, nicht er, sondern der damalige Parteichef Wladyslaw Gomulka habe den Schießbefehl gegeben. Gleichzeitig sagte er, dass er den Befehl auch aus heutiger Sicht für "taktisch richtig, auch wenn er sich aus strategischer und politischer Sicht langfristig als Irrtum erwies".

Jaruzelski steht gemeinsam mit sechs weiteren hohen Offizieren und Funktionären des kommunistischen Regimes vor Gericht. Die Anklageschrift umfasst 400 Seiten, rund 1.100 Zeugen sind geladen.(APA)

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