Autosteuern im europäischen Mittelfeld

26. Februar 2002, 19:23
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28 bis 30 Prozent des Neuwagenpreises wandern an den Finanzminister

Brüssel/Wien - Die österreichischen Steuern auf Neuwagen liegen im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld, sind aber weit von jenen Spitzenbelastungen entfernt, mit denen einzelne EU-Länder den Autokauf verteuern. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Preisvergleich der EU-Kommmission hervor. In den beiden großen EU-Nachbarländern Deutschland und Italien greift der Fiskus dem Autokäufer jedoch deutlich weniger tief in die Tasche als in der Alpenrepublik.

Während die Steuerbelastung in Österreich durch Mehrwertsteuer und Normverbrauchsabgabe (NoVA) zwischen 28 und 30 Prozent liegt, müssen die Italiener mit nur 20 bis 23 Prozent Steuerbelastung rechnen, Deutschland ist mit 16 Prozent, also der üblichen Mehrwertsteuer, bei Autos sogar ein absolutes Steuer-Niedrigland.

Österreich gehört nicht zu absoluten Hochsteuerländern

Österreich gehört aber nicht wie manchmal behauptet zu den absoluten Hochsteuerländern beim Neuwagenkauf. In fünf EU-Staaten gibt es wesentlich höhere Steuern auf Neuwagen. Spitzenreiter ist Dänemark, wo die Steuern mehr als die Hälfte des Kaufpreises eines neuen Vehikels ausmachen. Ein VW Golf kostet dort mit 24.604 Euro beinahe doppelt so viel wie in Österreich. Von dieser Summe gehen 15.139 Euro an den Fiskus. Wesentlich mehr Steuern als in Österreich werden auch in Finnland, Irland, den Niederlanden und Portugal fällig.

Gerade diese Staaten sind aber für den österreichischen Konsumenten, der vom europaweiten Binnenmarkt profitieren will, sehr interessant. Denn die Autohersteller haben auf die hohen Steuern in diesen Ländern mit besonders niedrigen Preisen vor Steuern reagiert. Beim Autokauf im Ausland wird die dortige Steuer rückerstattet und statt dessen die heimische Steuer eingefordert. Daher können Österreicher, die die Anmeldung in Österreich auf sich nehmen wollen, vor allem in Dänemark aber auch in den anderen Hochsteuer-Ländern besonders günstig ihr Auto erwerben. Bei 31 der in der EU meist verkauften 80 Modelle ist eine Preisersparnis von 20 Prozent oder mehr möglich, erhob die EU-Kommission.

Die hohen Steuern scheinen einen gewissen Lenkungseffekt beim Autokauf zu erreichen. Mit Ausnahme Griechenlands, wo trotz niedriger Endverkaufspreise nur ein Auto pro vier Einwohner zugelassen ist, liegen die fünf EU-Staaten mit den höchsten Steuern mit 0,31 bis 0,39 Autos pro Kopf auf Schlussplätzen bei den Zulassungen pro Kopf. Die Österreicher lassen sich hingegen offenbar auch von den hohen Preisen nicht abschrecken: Obwohl Autos hierzulande relativ teuer sind, liegt Österreich bei der Zulassungsstatistik mit 0,48 Autos pro Kopf hinter Luxemburg, Italien und Deutschland an vierter Stelle (alle Angaben aus 1998).(APA)

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