Überbewerteter Dollar vernichtet 100.000 Jobs

26. Februar 2002, 15:43
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US-Industrieverband: Regierung soll gegensteuern

Washington - Die amerikanische Industrie-Vereinigung NAM (National Association of Manufacturers) hat von der US-Administration Schritte gegen die ihrer Ansicht nach klare Überbewertung des Dollar gefordert. Gemäß einer jüngst von der NAM veröffentlichten Studie ist die Überbewertung des Dollars Hauptursache für den Abbau von hunderttausenden von Arbeitsplätzen in der US-Industrie. Der Dollar befinde sich auf einem 16-Jahres-Hoch, darunter leide die US-Industrie, die schon durch die Rezession stark in Mitleidenschaft gezogen werde, kritisiert Jerry Jasinowski, Präsident der NAM.

Laut NAM ist seit 1997 der Wert des US-Dollars im Verhältnis zu den Währungen der Haupthandelspartner der USA um 30 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung sei die maßgebliche Ursache für die um 115 Mrd. Dollar gesunkenen Industrieexporte der USA und den damit einher gehenden Abbau von 400.000 Arbeitsplätzen. So seien zum Beispiel die US-Exporte in die EU seit Sommer 2000 um 18 Prozent gesunken, während gleichzeitig die Produktion der europäischen Industrie nur um 3 Prozent zurückgeschraubt wurde.

Beleg für die schädlichen Auswirkungen des überbewerteten Dollars

Dieses Missverhältnis sei ein eindeutiger Beleg für die schädlichen Auswirkungen des überbewerteten Dollars, so Jasinowski laut einer Aussendung der deutschen Industrie- und Handelskammer in Washington, die aus der Studie zitiert. Früher oder später werde der Dollar wieder fallen. Für die US-Wirtschaft wäre es wesentlich günstiger, wenn dieser Fall langsam vor sich gehen würde, und nicht ruckartig, appelliert der NAM-Präsident an die US-Regierung, dementsprechende währungspolitische Schritte zu setzen.

Jasinowski kündigte an, sich mit dem Anliegen an den Kongress zu wenden. Enttäuscht zeigte er sich von der Reaktion des US-Finanzministers Paul O'Neill. O'Neill hatte öffentlich erklärt, dass er den währungspolitischen Forderungen amerikanischer Hersteller wenig Sympathie entgegenbringe. Positivere Resonanz fand NAM hingegen im Kongress. Richard Gephardt, Führer der Demokraten im Repräsentantenhaus, hat in einem Brief an Japans Premier Junichiro Koizumi erklärt, dass die japanische Politik des schwachen Yen wesentlichen Sektoren der US-Wirtschaft schweren Schaden zufüge.(APA)

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