Moskauer "taz"-Korrespondent wegen kritischen Artikels vor Gericht

26. Februar 2002, 14:50
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Patriotischer Hobbydichter fühlte sich in seiner Ehre verletzt

Der Russland-Korrespondent der Berliner "tageszeitung", Klaus-Helge Donath, hat sich am Dienstag vor einem Moskauer Zivilgericht für einen kritischen Bericht verantworten müssen. Donath hatte in einem Artikel über den angeblichen Personenkult um Präsident Wladimir Putin das Gedicht eines Jusstudenten erwähnt. Der patriotische Hobbydichter sah sich in seiner Ehre gekränkt und zog vor Gericht. Die Verhandlung wurde auf Mitte April vertagt.

"Ehre und Würde" verletzt

Die Forderung des Studenten Michail Anischtschenko nach 300.000 Rubel (11.103 Euro/152.779 S) Entschädigung für seine verletzte "Ehre und Würde" hatte in Russland große Aufmerksamkeit erregt. Donaths Artikel ("Kim Il Putin lässt sich feiern", "taz" vom 7.5.2001) war von einer Agentur eigenmächtig ins Russische übersetzt und auf der Webside inopressa.ru veröffentlichet worden.

Verhandlung vertagt

Die Richterin vertagte die Verhandlung auf den 19. April mit dem Hinweis, die Geschäftsführung der "taz" als beklagte Partei vor Gericht zu laden. Donath ist der deutsche Journalist, der wegen seiner Berichterstattung vor einem russischen Gericht steht. Er arbeitet seit zwölf Jahren als Journalist in Moskau. (APA)

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