Deutschland: Konjunkturflaute bald zu Ende

26. Februar 2002, 15:42
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Ifo-Index: "Der Wendepunkt naht" - Gegenwärtige Lage jedoch wieder schlechter beurteilt

München - In der deutschen Wirtschaft macht sich zunehmend Optimismus breit. Im Februar sei die Stimmung bei den Unternehmen zum vierten Mal in Folge gestiegen, berichtete das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte in Westdeutschland von 86,2 auf 88,7 Punkte und lag damit über den Erwartungen vieler Wirtschaftsexperten. Damit mehren sich nach Einschätzung von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Anzeichen für einen konjunkturellen Aufschwung. "Der Wendepunkt naht", sagte Sinn. Obwohl die Unternehmen ihre aktuelle Situation noch schlechter beurteilten als im Jänner, seien die Erwartungen für die nächsten sechs Monate deutlich besser geworden. Der Ifo-Index beflügelte die Aktienmärkte; der DAX stieg um zwischenzeitlich 1,3 Prozent auf 4.924 Punkte.

Der Index für die Erwartungen stieg in Westdeutschland sprunghaft von 94,8 auf 101 Punkte an. Hingegen spiegelte sich bei der Beurteilung der aktuellen Lage mit einem Rückgang von 78 auf 76,8 Punkte die anhaltende Konjunkturflaute wider. Eine derartige gegenläufige Entwicklung bei der Beurteilung der aktuellen Lage und der Erwartungen ist nach Worten von Sinn typisch für eine Abschwungphase und einen konjunkturellen Wendepunkt. Dieser werde jedoch voraussichtlich noch einige Monate auf sich warten lassen, sagte Sinn dem Fernsehsender "n-tv". Um die Konjunktur anzukurbeln, sprach er sich für eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. "Luft nach unten ist schon da und sollte auch ausgenutzt werden", sagte er.

Gewerbe und im Großhandel optimistischer

Im Februar habe sich die Stimmung vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel verbessert, berichtete das Münchner Institut. Hingegen blieb das Klima in der Baubranche frostig. Die Einzelhändler beurteilten die wirtschaftliche Situation wegen der anhaltenden Konsumflaute sogar noch schlechter als im Jänner. In Ostdeutschland legte der Geschäftsklimaindex deutlich von 98,3 auf 100,4 Punkte zu.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September war der ifo-Geschäftsklimaindex im Westen auf 84,9 Punkte eingebrochen und auch im Oktober weiter gesunken. Seit November zeigt das Stimmungsbarometer aber wieder kontinuierlich nach oben. Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen in ganz Deutschland.(APA/dpa)

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